Es war der 3-te Versuch mit askew am Palermo – Montecarlo – Race teilzunehmen. Und wieder sollte es nicht klappen. Aus dem ersten Plan mit Start in Palermo wurde durch den ambitionierten askew-Regattakalender Palma. Das heißt Team-Building und Training musste auf der Überführung von Palma nach Palermo stattfinden. Aus dem Rennen wurde dann ein Langstreckentraining, in denen die Crew viel über das Segeln und sich selbst gelernt hat. Mit dabei waren Andreas, Jaime, Kai, Leon und Skipper Leo. Von den ursprünglich sieben gemeldeten Teilnehmern sind unglücklicherweise gleich zwei am Startpunkt Palma verloren gegangen. 

Nach der Ankunft in Palma wurde die askew von der euphorischen Copa del Rey-Crew übernommen. Für die, die einen Tag früher anreisten, die Gelegenheit noch etwas Regattaluft auf Mallorca zu schnuppern. Anders als in den anderen Jahren hatte unsere Vereinsrakete den Törnkalender bis zum Projektbeginn überstanden. Dachten wir zumindest. Man erinnere sich an Getriebeschäden, Grundberührungen und anderes Ungemach. Bei der Abarbeitung des Übernahmeprotokolls stellte sich heraus, dass Wasser im Saildrive das Öl eine weißliche Brühe verwandelt hatte, die zu einem guten Teil auch schon in der Motorbilge hin- und herschwappte. Ein Tauchgang im trüben Hafenwasser brachte dann noch eine Angelschnur als potenzielle Ursache zu Tage. Die Optimisten unter uns, waren sich sofort einig, das für die Regatta der Motor sowieso nicht benötigt wird. Den Skeptikern war die Reise über die Weiten des Mittelmeers, ohne die Option auf Unterstützung durch Maschinenkraft zurückgreifen zu können weniger angenehm. Und dann war da noch die Frage, wie lange kann man die Salzwasser-Öl-Mischung im Saildrive stehen lassen, ohne eklatante Schäden zu provozieren. Die Vorbereitung auf das PMC-Race hatte sich innerhalb von wenigen Stunden gewandelt. Aus der Gruppe mit dem Ziel, eine Regatta zu segeln, waren plötzlich Individualisten geworden, mit sehr unterschiedlichen Einstellungen und Erwartungen. Verschiedene Möglichkeiten wurden diskutiert und mit den vorhandenen Wünschen abgeglichen. Skipper Leo war völlig abgetaucht, um Optionen für eine Reparatur zu erkunden. Und auch in Schifferrat und Vorstand wurde intensiv diskutiert. Aus der Abreise am Sonntag wurde also erstmal nichts, der anvisierte Krantermin am Montag ließ sich erst am Dienstag morgen organisieren. Die zunächst versprochenen Dichtungen ließen sich in Palma leider gar nicht auftreiben. So beließen wir es bei dem Wechsel von Wasser zu Öl, dem Beseitigen der Angelschnur und der Absicht, den entsalzten Motor nur sehr, sehr sparsam einzusetzen. Die Crew aus ursprünglich sieben Teilnehmern war bei Auslaufen am frühen Dienstagnachmittag auf nur noch fünf zusammengeschmolzen. Und bereits nach kurzer Zeit sollte sich herausstellen, dass auch diese fünf sehr unterschiedlich potent Beitragen konnten. Seekrankheit erwischte den einen oder anderen, mal kürzer, mal anhaltender, ein anderer stürzte in den Niedergang und kam mit blau unterlaufenen Zehen wieder an Deck. Der aus den verschiedenen Optionen hervor gegangene Plan sah vor, es zu versuchen mit der in diesem Jahr nur leicht lädierten askew den Startpunkt des Rennens zu erreichen. Bis zur Südspitze Sardiniens sah es noch vergleichsweise gut aus. Trotz moderatem Ostwind prognostizieren die Wetterroutings eine Fahrzeit von 2-3 Tagen. Absolutes Highlight der Überfahrt war die totale Sonnenfinsternis. Durch die verzögerte Abfahrt waren wir gerade noch im Kernbereich der Eklipse. Kurz vor dem Sonnenuntergang verschwand die Sonne für einen Moment hinter dem Mond, um dann als skurriler Ring im Meer zu versinken. Zu fünft saßen wir am Heck der Askew und beobachteten das Schauspiel mit unseren nahezu blickdichten Brillen. Auch unser erster Steuermann Leon hatte die Sonne fest im Blick und bewies rückwärts segelnd, was es heißt, wenn Mensch und Maschine zu einer Einheit verschmelzen. Kurshalten ist für einen Segel-Jedi überhaupt kein Problem. Kollision mit anderen Schiffen war auch kein Problem - gesehen haben wir während der Überfahrten überhaupt kein einziges anderes Schiff. 

Dank der zum ersten Mal bei einer Langfahrt eingesetzten Starlink-Verbindung war es eine Freude, das Routing mit der tatsächlichen Performance von Crew und Schiff abzugleichen und gleichzeitig den zweiten Teil der Reise weiter nach Sizilien zu planen. Noch schlimmer als Gegenwind ist für ein Schiff ohne Motor eine Flaute. Und davon gab es leider gleich mehrere auf dem Weg nach Sizilien. So dass laut Wetterrouting auch mit Sardinien in Sicht Palermo bestenfalls mit zwei Tagen Motorfahrt zu erreichen sein würde. Zudem plädierte der lädierte Teil der Crew auf einen Zwischenstopp auf Sardinien. So musste der couragierte Versuch das Rennen trotz aller Widrigkeiten noch zu erreichen abgebrochen werden. Alle, die askew auf dem Weg nach Palermo verfolgten, mussten feststellen, dass die Crew nun deutlich nach Norden abbog. In Windeseile wurde ein weiterer Werftermin in Bandol vereinbart, sowie Mechaniker und Ersatzteile für die Reparatur geordert. An den erholsamen Zwischenstopp in Bosa, Ergänzung des Proviants für die zweite Woche schlossen sich zwei Tage in Sardiniens wunderschönen Buchten an. So wurde die Wartezeit auf die Ersatzteilbeschaffung und ein gutes Zeitfenster für die Überfahrt an die Rivera gut genutzt. Für unser Geburtstagskind war sogar seine Lieblingsbucht mitsamt Festtagsmenu drin. Nach drei Tagen ging es dann weiter mit dem Langstreckentraining. Der von unserem Skipper sehnsüchtig erwartete Mistral hatte sich aufgebaut. Glücklicherweise gab es neben der direkten Linie, d.h. dem brutalen Ritt durch die Mitte des „Sturms“ auch noch eine moderatere und vom Wetterrouting empfohlene Option direkt nach Norden und dann entlang der französischen Mittelmeerküste nach Bandol. Der Mistral ist offensichtlich ein sehr gut von den Wettermodellen vorherzusagendes Phänomen. askew schoss mit Rumpfgeschwindigkeit in Richtung Norden und dann in weiter Entfernung von Korsika auf dem Grenzgebiet zwischen Starkwind und Abdeckung der hohen französischen Mittelmeerinsel hindurch. Mit Wahl eines westlicheren Kurses konnte die Windstärke signifikant erhöht werden, Abfallen nach Osten war auch gleichbedeutend mit abnehmender Windstärke. So stellte sich die Situation als ideal für den Teil der Crew heraus, der seine Grenzen erkunden wollte und sich für die nächste Langfahrt vorbereiten wollte. Nach zwei weiteren Tagen auf See endete der Törn mit Zwischenstopp in Port Cros dann in Bandol. Donnerstagnachmittag wurde gekrant, der Mechaniker kam und verschwand mit unserem Saildrive, die Crew übernachtete heimlich auf der aufgeständerten askew nun völlig ohne Getriebe und Schraube, der jugendliche Teil der Crew machte Bandol und die lokale Segelschule unsicher. Am Freitag war das Boot dann mit überholtem Saildrive für die erste Testfahrt wieder im Wasser. Der Wind war allerdings zu verlockend, als dass wir es nur mit dem Test des Motors beließen. Den Abschluss bildete ein Galamenu im besten französischen Restaurant: askew repariert, Crew sehr zufrieden, Törnplanung gerettet! 

Und das PMC-Race? Zum ersten Mal in der Renngeschichte wurde das Rennen aufgrund von Unwetterwarnungen der Wetterdienste ausgesetzt! Alle noch im Rennen befindlichen Boote wurden aufgefordert, einen sicheren Hafen anzulaufen. Man fragt sich, ob wir dieses Jahr wirklich etwas verpasst haben…

Datum: 09.08.26 - 22.08.26
Revier: Mittelmeer
Skipper: Leonard Welsch
Boot: askew
Crewstärke: 5
Studentische Teilnehmer: 1
Starthafen: Palma de Mallorca
Zielhafen: Bandol
Typ: Langstrecke
Bericht: Andreas Kopmann