Schraubertörn Genua 2026
Die Askew ist nun seit dem Einwassern 14 Wochen unterwegs und hat an zwei Regatten teilgenommen. Also Zeit, mal wieder nach dem Zustand unseres Vereinsbootes zu schauen. Und es stellte sich heraus, dass dies tatsächlich genau der richtige Zeitpunkt gewesen ist, denn die Defekte häuften sich unmittelbar vorm langfristig angesetzten Schraubertörn: Der Landstromanschluss zerbröselte, das Scharnier des Kühlschrankdeckels gab auf. In St. Tropez wurde die Askew Opfer eines missglückten Anlegeversuches eines anderen Regatta-Teilnehmers. Und dann wäre da noch unser Dauerthema Anker: Ein Bug aus Stahl wäre eine angemessene Gefahrenabwehr, angesichts der unzähligen Versuche der Crews, ein Loch in den GFK-Rumpf zu schlagen.
Wir brechen also Samstagabend nach Genua auf, dem Zielort des Giraglia-Cups und übernehmen dort die Askew. Zum Team-Building taugt die gemeinsame Anreise allerdings nicht: Einer kommt direkt vom Familienfest, ein anderer stürzt vom Rad und fällt ganz aus und einen weiteren erwischt hohes Fieber am Anreisetag. So bleiben nur zwei von ursprünglich sechs Teammitgliedern für die beschwerliche Reise durch die Nacht übrig. Für eine Woche wird die Marina Porto Antico unser Basislager sein. Der Hafen liegt fußläufig zu allem, was man benötigt. Und auch für die multimodale Anreise der Crew ist Genua ideal. Bahnhof (Rebekka und Fabian) und Fährterminal (Vieri) sind zu Fuß zu erreichen. Man kann den Wagen direkt bis vor das Boot fahren (Andreas und Frank). Ein gut sortierter - und erstaunlich fair bepreister - Supermarkt befindet sich direkt am Hafen. Morgens haben wir die Wahl zwischen unzähligen Café - Bars, die vorzüglichen italienischen Kaffee servieren. In der Mittagshitze bieten sich die engen Gassen der Altstadt an. Baumarkt, ein klassischer Eisenwarenhandel und eine Yacht-Apotheke sind gut mit dem Bordrad zu erreichen.
Schnell sind die wenigen persönlichen Gepäckstücke und die zahlreichen Material- und Werkzeugkisten auf der Askew verstaut. Am ersten Tag wirkt die Askew noch wie eine reguläre Yacht. Aber mit jedem weiteren Tag verwandelt sich das Boot mehr und mehr in eine schwimmende Werkstatt. Wir arbeiten Position für Position die anstehenden Aufgaben nach Priorität ab. Zunächst wird ein wertiger Landstromanschluss verbaut. Frank ersetzt mit seiner Jahrzehnte langen Messmasterfahrung das marode Dampferlicht, während Fabian mit chirurgischer Präzision die gebrochenen Kühlschrankscharniere entfernt und kunstvoll ersetzt. Rebekka übernimmt die Konstruktion und Fertigung der lange geplanten und stets unvollendet gebliebenen Mastabdeckung. Die Aufgabe fordert die Geometriekenntnisse der gesamten Crew. Die gemeinschaftlich erarbeitete Schablone legt Zeugnis der exzellenten mathematischen Grundkenntnisse der Akteure ab. Als leichteste wird Rebekka dann für die Arbeiten an der Mastspitze ausgewählt. Mit schwerem und gut gesichertem Gerät rückt sie den Splinten an der Mastspitze zu Leibe.
Eine willkommene Ablenkung ist der Besuch von Simon: Äußerst willkommen ist insbesondere die reichhaltige Auswahl an Focaccia-Spezialitäten, die er dabei hat. Ganz generell hat Genua kulinarisch einiges zu bieten: Neben der Pesto Genovese ist es die absolute Hochburg für eben diese attraktive Mischung zwischen Pizza und Fladenbrot. Dank Simons profunder Ortskenntnis starten wir zu einer Tour durch die Altstadt und heben ihre kulinarischen Schätze. Rebekka und Fabian können an keiner Konditorei vorbei gehen. Folglich haben wir für den Rest der Tage genügend Pistazien-gefüllte Teigwaren an Bord. Nicht ohne alle Restaurant-Tipps abzulaufen landen wir in einer der empfohlenen und sehr authentischen Trattoria im Gewimmel der Altstadtgassen.
Mittwoch rücken die angeheuerten, italienischen Gelcoat-Experten an und versorgen die Schäden im Rumpf. Interessiert verfolgen wir jeden Arbeitsschritt und gleichen ihn mit den mitgebrachten detaillierten Instruktionen unseres Gelcoaters aus Karlsruhe ab. Die Quadratmeter feinsten Gelcoats, die Askew und ASK-Jollen inzwischen zieren, und leider auch die zahlreicher werdenden Schadensfälle, lassen uns vermuten, dass diese Reparaturtechnik auch in Zukunft eine Schlüsseltechnologie bleiben wird ...
Am Donnerstag kommt Vieri mit der Fähre aus Sardinien und verstärkt das Schrauber-Team. Genua scheint für diese Woche der Nabel der ASK-Welt zu sein. Kaum angekommen packt er gleich mit an. Liebevoll verkleidet er unsere neue Inspektionsöffnung zum ‘D-Ring’ im Niedergang mit einem feingearbeiteten, auf Gehrung gesägten Mahagoni-Rahmen. Als Dank gestaltet Fabian, der Meister an der Stichsäge, aus der unscheinbaren Salon-Couch eine großzügige Liegefläche. Bei den an Bord herrschenden tropischen Temperaturen bleibt Kuscheln in den Kojen unserem gemischten Doppel vorbehalten.
Nachdem die essenziellen Aufgaben abgearbeitet sind und die Gelcoat-Experten den Rumpf wieder freigegeben haben verlassen wir zum ersten Mal unseren Liegeplatz. Diesmal nicht, um ein klimatisiertes Lokal aufzusuchen, sondern um die Askew auf dem Meer weiteren Tests zu unterziehen. Und natürlich ist unsere Schrauber-Crew auch interessiert, die Askew im Hafenmanöver zu erleben. Der Motor ist unauffällig und draußen wird der Schwarzwassertank gründlich ‘geprüft’. Das Wort drückt dabei nicht annähernd aus, welche zarten Düfte dieser verbreiten kann!
Der letzte Tag ist dann der Übergabe und der Vorbereitung des nächsten Einsatzes gewidmet. Ein weiteres Mal nach der Gelcoat-Prozedur kommt unser Dinghi zum Einsatz, um das Ankergeschirr zu vermessen, sich Lösungen für den sicheren Betrieb des Ankers auszudenken und sich dabei von anderen Booten inspirieren zu lassen.
Für uns war es der erste Schraubertörn und es werden sicher weitere folgen. Es wäre falsch zu behaupten, die Askew wäre nach dieser Woche nicht wieder zu erkennen. Was zählt sind die vielen kleinen Verbesserungen: Wer 10 Neuerungen auf der Askew findet, zu denen, die im Bericht beschrieben sind, kann mit einem wertvollen Preis rechnen. Der Ausflug mit dem Werkzeugkoffer zur Askew ist ganz klar ein Traum für jeden handwerklich begeisterten Segler. Vielfältige Aufgaben warten darauf kreativ im Team gelöst zu werden. Man lernt die Askew von Grund auf kennen, was sich als unschätzbarer Vorteil für das nächste Projekt auf unserem schönen Vereinsboot erweisen wird.