Entstanden aus einer Idee der Reviererkundungen durch ein verdientes Ex-Vorstandsmitglied (das am Ende gar nicht Teil der Crew war, aber es wurde ihm zu Ehren ein Puffin benannt) wurde ein zweiwöchiger Törn in das Revier der Hebriden geplant. Mit der Sun Odysee 43 "Chantilly" wurde ein passendes Charterboot mit Basis Oban (Marina Dunstaffnage) und mit Flo auch ein besonders motivierter Skipper gefunden. Das Projekt war innerhalb weniger Tage im Portal ausgebucht, so dass sich in der Folge in zweites Boot für einen (fast) zeitgleichen Wochentörn ebenfalls ab Oban fand.
Die Hebriden vor der Westküste Schottlands zählen zu den faszinierendsten und zugleich anspruchsvollsten Segelrevieren Europas. Der gesegelte Rundtörn ab/an Oban führte durch eine weitläufige Inselwelt aus geschützten Sounds, offenen Seepassagen und zahlreichen Naturhäfen. Die gewählte Route führte von der Insel Ulva als südlichst angelaufene Stelle bis zur zu den äußeren Hebriden gehörenden Insel Harris im Norden. Im Sommer herrschen überwiegend westliche bis südwestliche Winde vor, doch ziehen regelmäßig atlantische Tiefdruckgebiete durch das Gebiet, sodass auch in der Hauptsaison mit rasch wechselndem Wetter, häufigen Regenschauern und zeitweise kräftigen Winden gerechnet werden muss. Die Gezeiten spielen eine wichtige Rolle: Tidenhübe von mehreren Metern sowie teils starke Gezeitenströme in Engstellen und Sounds können die Törnplanung beeinflussen. Charakteristisch für das Revier sind meist tiefes Wasser bis nahe an die Küste, zahlreiche gut geschützte Ankerbuchten sowie Häfen, in denen überwiegend Moorings (Bojen zum Festmachen) und Pontoons (Schwimmstege) zur Verfügung stehen. In den meisten Häfen wird als Besucher mit einem 40 Fuss Boot seitlich angelegt. Die Kombination aus beeindruckender Landschaft, anspruchsvollen navigatorischen Bedingungen und einer guten Infrastruktur für Fahrtensegler macht die Hebriden zu einem empfehlenswerten Segelrevier.
Die Navigation vor Ort erfolgte primär mit den Imray Revierführern des Clyde Cruising Clubs „Outer Hebrides“, „Ardnamurchan to Cape Wrath“ und „Kintyre to Ardnamurchan“ sowie den Antares Charts (https://www.antarescharts.co.uk/) sowie einem aktuellen Hafenführer (ein Heftchen mit aktuellen Kontaktdaten, Preisen und Beschreibung der jeweiligen Infrastruktur der Häfen, das uns der Vercharterer mitgegeben hat aber auch in den meisten Häfen ausliegt). Das Community Projekt der Antares Charts ist besonders empfohlen und unser Dank gilt allen Engagierten in diesem Projekt! Bekannte Navigationssoftware (Navionics) war vor Ort besonders in Buchten oftmals ungenau bis teilweise falsch und für die Strecken zwischen den Inseln können auch gut klassische Papierkarten genutzt werden. Größere Hindernisse, die auch für die Berufsschifffahrt von Relevanz sind, sind größtenteils betonnt. Die Betonnung erfolgt wie üblich immer in Richtung des Flutstroms, im Sound of Mull (und ein paar anderen Stellen) führt dies auf Grund der komplexen Tidenströme aber dazu, dass von See kommend die roten Tonnen an Steuerbord (und die grünen an Backbord) liegen.
Die Crew reiste auf dem Land/ Wasser-, Luft-, und Schienenweg an. Einige nutzen die Zeit noch für einen Besuch in Glasgow oder dem schottischen Inland (Klimafreundlicher Reisetipp: mit einem Interrail Ticket kommt man über Paris und London von Karlsruhe bequem in 13 Stunden nach Glasgow oder Edinburgh). In Oban angekommen wurden wir als Einstimmung auf den Törn mit starken Wind und Regen von der Seite begrüßt. Dank eines ASK-internen Carsharing Agreements konnte das Stadtmobil der einwöchigen Crew zum Einkaufen genutzt werden, so dass die noch vor Ort an die aktuelle Wettervorhersagen (kalt) und geplanten Backvorhaben angepasste Einkaufsliste gut abgearbeitet werden konnte. Auf den Inseln gibt es nur noch Grundnahrungsmittel, auch Obst und Gemüse sind nur noch mit wenigen Angeboten vertreten. Daher musste eine genaue Bunkerplanung erfolgen.
Der erste Dämpfer ereilte den Skipper bereits vor dem Start: Der Vercharterer erteilte ihm St. Kilda-Verbot. Vordergründig aus versicherungstechnischen Gründen, hintergründig weil dem schottischen Anbieter ganz sicher die Segelexzellenz der ASK nicht bekannt war. Damit fiel ein Sehnsuchtsziel des Skippers für den Törn weg, auch wenn Teile der Crew nicht ganz unglücklich über diesen Eingriff des Vercharterers in die Törnplanung waren. Die entlegenen Inseln ca. 40 Seemeilen vom Festland entfernt, waren dennoch ständiger Begleiter in Gedanken. Derweil wurde das 22 Jahre alte Boot inspiziert und sofort vielen einige Details auf, die die Crew im weiteren Verlauf der Reise herausfordern würden: Das Teakdeck wurde von hunderten Spaxschrauben zusammengehalten (Nässe kommt ins Boot, wobei man ein genageltes Teakdeck auch als Feature und Deck mit besonders gutem Grip verkaufen könnte), die Heizung war defekt (Nässe kommt nicht aus dem Boot), die Sprayhood endet über dem Niedergang und ein Bimini oder gar Kuchenbude gibt's nicht (wenig Schutz vor Nässe, braucht man für die richtige Schottland-Experience aber auch nicht) und das Bootsinterieur hat sich in den letzten zwanzig Jahren sehr in Richtung Raumeffizienz entwickelt (wenig Platz). Der vom Vercharterer angepriesene gute Zustand bezog sich vor allem auf die Segeleigenschaften, denn die Segel und Leinen machten einen guten Eindruck. Die High Performance Genua (Werbetext) war tatsächlich nicht zu viel versprochen. Nachdem in den wenigen Schapps die Vorräte verstaut wurden (in den Bilgen stand das Wasser) und mit der Einforderung eines Heizlüfters stach die Crew am Folgetag in See.
Von der Dunstaffnage Marina ging es mit mitlaufendem Tidenstrom, Regen (Schotten würden den „Regen“ eher als hohe Luftfeuchtigkeit bezeichnen) und 2-3 Bft auf einem Vorwindkurs mit der überdimensionierten Genua (einem Gennaker des Nordens), durch den Sound of Mull in 5 Stunden direkt nach Tobermory (28 SM). Dort angekommen wurden an einer Mooring-Boje festgemacht, der Ort erkundet und sich mit lokalem Whiskey eingedeckt. Der sehenswerte Ort Tobermory bildet die Kulisse für eine britische Kinder-Bildungsserie, so dass jeder (kleine) Brite den Ort sofort erkennt. Pünktlich zum Ortsrundgang kam auch die Sonne raus.
Am nächsten Tag ging es weiter Richtung Westen auf die äußeren Hebriden. Der Wind stand gut mit 4-5 Bft, so dass wir im 2. Reff und mit 1/3 der Genua mit 6 bis 8 Knoten SOG vorbei an der Insel Coll nach Castlebay auf Barra segelten. Im nasskalten Wetter mussten die Wellen und Böen gut ausgesteuert werden, was der unermüdlichen Rudergängerin hervorragend gelang. Dennoch war bei einem kleinen Teil der Crew der favorisierte Platz des Tages an der Reling in Lee (53 SM). In Castlebay auf Barra angekommen wurde direkt neben der Raphy G angelegt, mit der die einwöchige Hebriden-Crew unterwegs war. Nach Seemannsgeschichten über die Zustände der Boote wurden die bisher jeweils an Bord erzeugten Backwaren gegenseitig verköstigt, ein Erinnerungsfoto geschossen und die Raphy G Crew in die geplante Nachtfahrt verabschiedet.
Am nächsten Tag wurde bei schönstem schottischem Sommer (Wind, so dass der Regen von der Seite kommt und dazu wenig Sicht) zunächst Castlebay und die Insel entdeckt. Über Schafsweiden ging es auf den Nebel umhangenen Hausberg bzw. auf Schafsafari. Lokale Besonderheit ist wohl eine Hasenpopulation. Der Skipper entpuppte sich nicht nur als hervorragender Schiffsführer, sondern auch als ausgebildeter Hobbyfotograf und so wurde die Schönheit der Landschaft fachgerecht festgehalten. Nach einem lokalen Eis sowie dem Besuch im Community Shop blieb am Abend die Küche kalt und es wurde eines der besten Currys Schottlands im Café Kisimul (Finalist im Asian Restaurant Award Schottlands) genossen. Die geplante Nachtfahrt weiter gen Norden wurde wegen starken Nebels und einer Sicht von zeitweise unter 100 m ausgesetzt. Mit der antiken Bootselektronik ohne AIS oder Radar wollten wir kein Risiko eingehen. Statt auf der
Wache durfte der Skipper somit seine Garstigkeit beim Spieleabend zeigen.
Am nächsten Morgen verzog sich der Nebel verzog sich und wir brachen um 0800 auf. Mit 1-2 Bft aus N bis NW war es die Ruhe vor dem Sturm (für die nächsten Tage wurden bereits mehrere „Gale warnings“ herausgegeben), so dass uns entspanntes Motorsegeln (mit 1/3 rein unter Segel) und reichlich Sonnenschein nach Norden brachte (27 SM). Geankert wurde an diesem Abend in Loch Skipport (North Uist), einer traumhaften verzweigten Bucht zwischen grünen Hügeln und Felsen, in der wir einsam lagen. Der Skipper konnte hier erstmalig im Törn die Sketchyness, gemessen durch den Sketchyness-Faktor (SF) bewerten (sketchy, phon [ˈskɛtʃi ], zwielichtiges Gebiet, Stelle mit herausfordernder Navigation). Dabei ist jedoch der Pre-Faktor vom Post-Faktor zu unterscheiden. Der Pre-Faktor liegt meist nahezu das doppelte über dem Post-Faktor, so dass die versprochene Sketchyness nach der Ausführung meist stark abnimmt (auf der Karte sieht es immer schlimmer aus als es dann am Ende – wenn es geklappt hat – ist). Die Ansteuerung des Ankerplatzes zwischen Felsen und
Untiefen bei nahezu Niedrigwasser wurde mit Post-SF 2/10 bewertet. Bei schönster Sonne genossen fast alle Crewmitglieder ein Bad im kalten Meerpool, andere zogen die Daunenjacke vor. Mit dem Dinghy wurde von einem Teil der Crew das Loch von Land aus entdeckt, je nach Perspektive könnte man auf den Bildern meinen wir ankerten auf einem Bergsee.
Am Mittwoch verließen wir diesen schönen Ankerplatz weiter in Richtung Norden. Bei zunächst 4 Bft aus NO flaute es im Laufe des Tages immer mehr ab, so dass die letzten 10 Meilen motort werden mussten, da es im Regen durchaus ungemütlich war. Ziel war der Hafen von Tarbert auf Harris (42 SM). Dort seitlich festgemacht, ging es direkt vor Ladenschluss in den Harris Tweed Shop. Ausgestattet mit einer Stofforder von einem Crewmitglied des einwöchigen Törns, wurden ausgiebig die Produkte aus heimischer Schafswolle begutachtet und modische Nähpläne geschmiedet.
Den Wind des nächsten Tages wollten wir ausnutzen und der Co-Skipper konnte sich mit seinem Vorschlag einen Abstecher zu den Shiant Islands zu unternehmen eine 1+ mit Sternchen im Logbuch erarbeiten. Andere Crewmitglieder fielen hingegen negativ auf, und neben dem St. Kilda Verbot für den Skipper wurden diverse Verbote erteilt. Darunter Gasverbot für das Öffnen der falschen, nicht angeschlossenen aber bereits leeren Gasflasche und Flaggen-Verbot für das Setzen der ASK-Flagge mit einem losen Knoten. Der direkte Weg führt an der vorgelagerten Insel Scalpay vorbei, die mit einer Brücke mit dem Festland verbunden ist. Damit stand eine Brückenunterquerung auf dem Plan des Tages. Die Brückenhöhe wurde am höchsten Punkt mit 19 Metern angegeben, unsere Masthöhe stand mit etwas über 17 Meter in den Papieren. Um den Strom ausnutzen zu können liefen wir um 0700 kurz nach Hochwasser aus, was auf Grund des geringen Puffers zwischen Brücke und Mast jedoch den (Pre) Sketchyness-Faktor etwas erhöhte. Ergebnis der Durchfahrt: mindestens 2,50 Meter Platz waren noch zwischen Mast und Brücke. Post- SF: 1-2/ 10.
Weiter ging es auf die Shiant Islands, wobei die Sonne immer mehr dem Regen wich. Ziel war die Insel Grabh Eilean, die als Vogelinsel bekannt ist. Neben zahlreichen Puffins leben dort zehntausende Tordalken und Trottellummen sowie weitere Vögel aller Art. Schon in der Anfahrt wurde das Flattern um uns stärker, bis nur noch Vögel auf den Felsen zu entdecken waren. Den Skipper packte seine Fotoleidenschaft, so dass die Population nun gut dokumentiert ist. Drei Stunden versuchten wir uns vor Anker und beiliegend im Vogel- und Puffinspotting als Hobby-Ornitologen. Wegen des Beinahe-Verlusts des Bootshaken beim Ankerlichten wurde das vorherig im Logbuch vermerkte Lob an den Co-Skipper revidiert. Bei stärker werdenden Winden bis 5 Bft segelten wir hart am Wind zurück nach Tarbert (36 SM). Die süßen Puffins begleiteten uns dabei noch ein gutes Stück. Da für den Abend und die Nacht eine Sturmwarnung mit 9 Bft ausgegeben wurde, entschieden wir uns eine weitere Nacht im sicheren Hafen in Tarbert zu bleiben. Gut festgemacht legten immer mehr Boote im Hafen an. Wir genossen selbst gemachte Berliner zum Tagesabschluss. Der Skipper erhielt natürlich (nicht ganz zufällig) einen mit Senf gefüllten (den aber genüsslich vollständig verputzte), der Rest schlemmte leckere Marmeladen-Berliner.
Der große Sturm und die angesagten 9 Bft blieben aus, was selbst den Hafenmeister überraschte. Das schottische Wetter ist unberechenbar, war sein Hinweis. Geduscht, klar Schiff mit voller Batterie und Wassertanks, neuer Gasflasche, die wir dem unermüdlichen Einsatz des Hafenmeisters zu verdanken haben, sowie gut gefüllten Snack-Schapps liefen wir gegen Mittag aus mit Kurs auf die Isle of Skye. Gegen den Wind bei meist 4 Bft segelten wir im Regen und Schauern mit 11 Wenden die 45 Tagesmeilen komplett durch. Geankert wurde bei wunderschöner Abendsonne direkt vor Dunvegan Castle. Den Anlass mit direktem Blick auf das bewohnte Schloss nutzen wir, um uns in die Clans und die verschiedenen Tartans (Webmuster des Tweeds) einzulesen.
Um unser Erlebnis noch schottischer zu machen, ging es am Samstag und damit den 8. Segeltag weiter nach Carbost, dem Heimatort der Talisker Destille. Der gute Wind des Vortages nahm über den Vormittag immer weiter ab, so dass wir für die 36 Tagesmeilen bis in den Abend benötigten und einen Teil motoren mussten. Der dauerhafte immer stärker werdende Regen von Niesel bis kräftiger Regen von vorn
tat sein Übriges, dass wir unser gewähltes Revier wie erwartet erleben konnten. Der rudimentäre Hafen von Carbost (gehört zur Destille, kein Strom, Raststätten-Duschen) hat eher industriellen Charme. Um uns typisch schottisch für den harten Tag zu belohnen, statteten wir am Abend dem lokalen Pub einen Besuch ab.
Auch für den Sonntag war schlechtes Segelwetter angesagt, also entschieden wir uns für einen Sonntagsspaziergang, der mit einer ausgiebigen Naturdusche verbunden wurde. Die ausgewählte Route zu den Fairy Pools (berühmte Wasserfälle) über 22 km, vom Wander-Freigeist des Bootes ausgearbeitet, führte im Dauerregen entlang einer Landstraße zu dem Sightseeing Spot der Insel. Nachdem
die vorherige Wanderung aufgrund des erhöhtem Reinigungsbedarfs der Schuhe über die Schafweide nicht bei der gesamten Crew Freude ausgelöst hat, wurde nun mit der Landstraße ein weniger mit Tretminen versehene Strecke gewählt. Adäquat gekleidet mit jeder regenfesten Kleidung, die auf dem Boot zu finden war, waren wir zwar besser auf das nasse Wetter vorbereitet als unzählige Touristen bei den Wasserfällen, aber dennoch völlig durchnässt. So wechselhaft wie das schottische Wetter ist kam pünktlich zum Rückweg die Sonne raus und wir kamen tatsächlich trocken zurück zum Boot. Auf der Kamera fanden sich neben Schafen, Puffins und
grünen Hügeln nun auch Wasserfälle aus jeder Perspektive, festgehalten vom Bordfotografen.
Am Abend legten wir vom Pontoon an eine Mooring-Boje um, damit wir morgens mit dem Sonnenaufgang um 0400 so schnell wie möglich ablegen konnten, um den vorhergesagten Segelwind zu nutzen. Ziel war die Insel Canna, die westlichste Insel der inneren Hebriden die vom National Trust for Scotland verwaltet wird. Bei immer schöner werdendem Wetter (mehr und mehr Sonne) sowie gutstehendem Westwind waren die 25 sm bis Canna bis 1000 zurückgelegt. Das frühe Losfahren und Festmachen in Canna an einer Mooringboje sollte sich noch als sehr kluge Entscheidung herausstellen. Im Laufe des Tages füllte sich die Bucht immer weiter und bis Mittag waren alle Bojen belegt. Weiteren eintreffenden Booten wurde bei vergeblichen Ankerversuchen in der von Seegras und schlechtem Ankergrund durchsetzen Bucht zugeschaut. Ein weiterer positiver Aspekt des frühen Ankommens war die verbleibende Zeit für einen kleinen, 6-stündigen, Landgang. Mit dem Dinghi ging es Richtung einziger Slipprampe auf Canna, die sonst nur von der Fähre genutzt wird. Von da ging es dann bei schönstem Sommerwetter zu Fuß vorbei an einem liebevoll bestückten Community-Store mit Selbstbedienung in Richtung "Puffin-Walk", einem beschilderten Rundwanderweg, der an einem von Puffins bevölkerten Felsen auf der Südseite der Insel vorbeiführt und dabei auch schöne Panoramablicke auf die Insel Rum bietet. Einige Zeit beobachteten wir die Puffins in ihrem natürlichen Lebensraum. Die Tiere mit ihren roten Schnäbeln und roten Füßen hatten es der Crew angetan. Auf dem Rückweg wurde sich bei einem Zwischenstopp im Community-Store mit Eis versorgt, bevor es noch einen kleinen Abstecher zum "House of Canna" und noch etwas Beachtime an einem der Strände der Insel gab. Das Ziel für den nächsten Tag sollte Gometra, die Insel westlich von Ulva, südlich von Mull sein und der erste richtige "reine Sonnentag" (ein bisschen Regen war zwar am Vormittag dabei, aber ohne Regen kein Schottischer Sommer) nahm sein Ende.
Um 0830 ging es am nächsten Morgen vorbei an der Isles of Rum, der Isles of Coll, den Treshnish Isles Richtung zur Isles of Mull gehörende kleinere Insel Gometra. Bei leichtem Wind mit 1-2 Bft und immer wieder Nieselregen, mussten wir hin und wieder den Motor anwerfen. Dennoch segelten wir 25 der 45 sm und wurden mit einem Halo vor dem wieder heranziehenden schlechteren Wetter gewarnt. Wir liefen eine Bucht im Norden der Insel an. Diese versprach einen hohen Pre-SF, denn nur aufgrund der der vorherrschenden Nippzeit und einem damit höher ausfallenden Niedrigwasser konnten wir überhaupt guten Gewissens in dieser ankern. Hinzu kam die im
Revierführer als „klaustrophobisch“ beschrieben Enge der Bucht. Leider war der Untergrund alles andere als ideal, trotz Sand führte viel Seegras im Wasser zu einem Rutschen des Ankers. Bei der Enge der Bucht war es wichtig fest vor Anker zu liegen und wir entschieden uns nach vier vergeblichen Versuchen gegen diese wunderschöne, idyllische Ankerbucht (Post-SF 4/10) und fuhren weiter südlich in
eine weite Bucht zwischen Gometra und der Insel Ulva. Auch sehr schön, aber weniger eng und nur ein Pre-SF von 0,5/10 hielt der Anker hier im zweiten Versuch.
Der nächste Tag versprach besten Segelwind aus SSW, zudem wollten wir einer weiteren Puffininsel einen Besuch abstatten: Lunga. Wir hatten davon gehört, dass die Puffins hier an Menschen gewöhnt seien. Am Tag zuvor hatten wir aus der Ferne ein Expeditions-Kreuzfahrtschiff verdächtig nah an Lunga liegen sehen. Um 0730 hoben wir den Anker und waren nach 7 sm gegen 0900 vor Lunga. Dort ging es mit dem Dinghy auf die Insel und tatsächlich war die Insel voll von Puffins, die auf den Klippen sitzen und sich aus nächster Nähe betrachten und fotografierten ließen. Wir hatten zwei Stunden alleine auf der Insel, bevor um 1130 die Touristenboote kamen. Wir beobachteten deren ausgeklügelte Anlegemanöver damit die Tagestouristen trockenen Fußes zu den Vögeln kommen: Ein vor der Insel an einer Boje befestigter Schwimmsteg wird an den Bug des vom Festland kommenden Boots gebunden das dann mit dieser „Verlängerung“ als Landungsbrücke an die Unbefestigte Küste fährt. Unser Skipper schaute voller Neid auf die Kameraausrüstungen (dreimal so lange
Teleobjektive) der neuen Besuchenden. Für uns ging es um 1300 weiter, allerdings nicht ohne die Ausfahrt mit dem bis dato höchsten SF zu wählen. Ohne Motor (die Maschine lief nur um den Anker zu lichten) segelten wir mit gesetzter Genua durch die engere, nördliche Ausfahrt zwischen den Felsen und legten eine perfekte Durchfahrt hin. Der Post-SF liegt dennoch nur 3/10, weil der Motor ja als Backup im
Leerlauf lief. Vor uns lagen weitere 23 sm bei Böen bis 3 Bft bis Tobermory, die wir mit dem bereits bekannten „Gennaker des Nordes“ zügig zurücklegten. Gegen 1700 legten wir an einer Mooring Boje gegenüber von Tobermory bei Aros Park an,inzwischen hatte uns das bereits am Vortag angekündigte schlechte Wetter erreicht, bei den vielen Sonnenstunden der letzten Tage hatten wir den Regen schon fast
vermisst. Den vorletzten Abend genossen wir bei einem gemeinsamen Saunagang in der lokalen, mobilen Sauna, die wir für uns gemietet hatten und die mit sieben Personen auch sehr gut belegt war. Auch beim Abendessen setzten wir Prioritäten und auf Geselligkeit. Mittlerweile hatten nämlich neben dem Skipper auch andere ihre Garstigkeit im Wizzard spielen entdeckt, so dass das Abendessen in Vergessenheit geriet. Wir plünderten das noch gut gefüllte Snack-Schapp und verschoben die Käsespätzle auf den Abschlussabend.
Es wurde dennoch eine kurze Nacht, denn wir wollten den letzten Tag noch einmal zum Segeln nutzen und nicht gegen Wind und Strom motoren. Da sowohl Wind als auch Tide in der Nacht am besten standen legten wir pünktlich um 0300 ab, um zum Heimathafen zurückzukehren. Die letzte Fahrt sollte navigatorisch aber nochmals etwas zu bieten haben und so entschied sich der Skipper für die südöstliche Ausfahrt aus der Bucht, die wir einige Stunden zuvor noch trockenen Fußes hätten durchqueren können. Zum Ausfahrtzeitpunkt kurz vor Hochwasser sollten uns laut Berechnungen noch mindestens 50 cm unter dem Kiel bleiben. Am Ende waren es ganze 90 cm, die Markierungen der Untiefen tauchten dabei in der Dunkelheit eher überraschend auf, wurden aber dennoch gut gemeistert. Post SF-Faktor 7/10, da nachts. Bei guten Winden kreuzten wir 27 sm durch den Sound of Mull bis Oban. Gegen 0500 setze der Dauerregen ein, so dass wir nochmals das echte schottische Sommergefühl genießen konnten. Um 0945 legten wir in Oban direkt im Stadthafen an und gingen in die Stadt zum Frühstücken und shoppten letzte Souvenirs. Gegen 1300 ging es nur mit Genua auf die letzten 4 sm in den Heimathafen Dunstaffnage. Derweil wurde unter Deck bereits die große Resteverwertung begonnen, so dass wir am frühen Nachmittag unser Segelabenteuer zum Abschluss bringen mussten. Am Abend wurden die bereits erwarteten Käsespätzle verzehrt, die Spezi-Produktionsstraße angeworfen und der Proviant für den nächsten Tag vorbereitet. Am Abend war klar Schiff auf dem Boot, so dass der letzte Tropfen Whiskey auch noch gemütlich geleert werden konnte.
Am nächsten Morgen verließen die meisten um 8 Uhr das Boot, um gemeinsam nach Edinburgh zu fahren, bevor ein Teil am Samstag und der andere Teil am Sonntag wieder nach Deutschland aufbrach. Aus dem Bus zogen die Highlands an uns vorbei, bis wir in Edinburgh ankamen, wo uns ein kräftiger Regenschauer zur Ankunft begrüßte. Nach der Ruhe der Hebriden hatte uns in der Hauptstadt Schottlands das Gedränge der Großstadt wieder, die gemeinsam entdeckt wurde. Spätestens am Sonntag waren dann alle Teile der Crew wieder zu Hause.
Die Bootsbäckerei: Die Bordbäckerei produzierte in beeindruckender Regelmäßigkeit Zimtschnecken, Schokocroissants, Bananenbrot,
Karottenkuchen, Schokomuffins, selbstgemachte Berliner, Apple Crumble, Nusszopf, Nussecken, Scones, Rosinenschnecken und Pancakes. Als wäre das nicht genug, zauberte unser Brotbackmeister nahezu täglich frisches Sauerteigbrot aus dem Ofen. Die Bilanz: Jeder Tag ein kulinarisches Highlight und zwei Gasflaschen erfolgreich in Gebäck verwandelt.
Heinz der Heizlüfter: Der heimliche Held der Reise. Heinz sorgte unermüdlich für ein trockenes Boot und rettete Kleidung, Nerven und Wohnklima (besonders der Crewmitglieder in der Vorschiffskabine, in der Heinz die meiste Zeit verbrachte). Literweise Wasser zog er aus dem Schiff und bewies an einigen Tagen seinen Wert. Sein einziger Makel: Er arbeitete ausschließlich gegen Landstrom und verweigerte jegliche Offshore-Einsätze.
Die Trockenleine unter Einbezug des Bootshakens: Multifunktionsmöbel des Törns. Tagsüber Kleiderschrank, abends Vorhang und rund um die Uhr Ausstellungsfläche für feuchte Seglergarderobe. Besonders die Socken nutzten die Gelegenheit, ihre Duftnoten großzügig im Salon zu präsentieren.
Canna: Unsere persönliche Highlight Insel. Traumhafte Landschaft, herzliche Menschen und ein wunderschöner Landausflug machten Canna zu unserem absoluten Favoriten unter den vielen Favoriten. Die Vertrauenswürdigkeit können wir damit beschreiben, dass wir über Stunden unseren Kamera-Akku im Wartehäuschen der Fähre an der Steckdose für den Monitor aufluden, und keinen hat es interessiert.
Lunga – Puffin Island: Papageitaucher zum Greifen nah. Wahrscheinlich werden wir nie wieder die Gelegenheit haben, diesen fantastischen und schön anzusehenden Tieren so nahe zu kommen. Ein Naturerlebnis der Extraklasse.
Die „sketchy“ Routenplanung: Anspruchsvolle Einfahrten, enge Passagen, Tide und Brückenunterfahrten sorgten für Herausforderungen auf höchstem Niveau – stets sorgfältig geplant und mit kühlem Kopf gemeistert. Wir danken unserem Skipper für seine gute Routenplanung, so dass wir seglerisch alles aus dem Törn herausgeholt haben. Gern unternehmen wir auch noch ein Manöver mit SF-Faktor 10/10.
Loch Skipport: Wenn man ein Sinnbild für die Äußeren Hebriden suchen würde, könnte man einfach ein Foto von Loch Skipport zeigen (Fotos haben wir genug). Das Bad im Meer, die völlige Einsamkeit und die magische Nacht vor Anker werden uns noch lange in Erinnerung bleiben.
Skippers Schlafplatz-Lotterie: Dem Skipper standen zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten zur Verfügung. Das Stockbett wurde bereits nach zwei Nächten aussortiert (zu nass, dunkel und eng), die große Backs Kiste stünde bereit, wurde aber verschmäht. Sein bevorzugtes Revier blieb daher der Salon, den er gleichzeitig als Schlafplatz (auch während dem Essen) und als großzügige Socken-Verteilzone nutzte.
Delfin-Eskorte: Nahezu täglich erhielten wir Besuch von Delfinen. Sie begleiteten unser Schiff, spielten in der Bugwelle und sorgten immer wieder für unvergessliche Momente. Besonders spektakulär: Delfine vor Regenbogenkulisse – fast schon kitschig schön.
Barra und Castlebay: Die südlichste Insel der äußeren Hebriden überzeugte mit rauer Natur, herzlichen Menschen und ganz viel Charakter. Ein besonderer Geheimtipp bleibt das Curry im Café Kisimul – allein dafür lohnt sich der Stopp schon.
Die Menschen der Hebriden: Die Freundlichkeit der Schotten ist ein echtes Highlight. Bei Wanderungen wurden wir von jedem vorbeifahrenden Auto gegrüßt. Besonders in Erinnerung bleiben der Hafenmeister von Harris, der uns kurzerhand mit seinem Privatwagen durch die Gegend chauffierte, sowie die Tankstelle, die uns nachtelefonierte, weil doch noch eine Gasflasche aufgetrieben werden konnte. Und natürlich unseres Skippers „bester schottischer Freund“, ein schottischer Segler mit eigenem Boot den wir (unser Skipper) auf Barra trafen und dessen Routentipps maßgeblich zu vielen unserer schönsten Erlebnisse beitrugen.
Ich und mein Holz: Besonders ein Crewmitglied erweiterte während der zwei Wochen seine Sammlung von Treibhölzern um mehrere kleinere (und größere) Exponate, einzig die Beschränkungen an Gewicht und Volumen des Fluggepäcks boten den letztendlich mitgebrachten Stücken etwas Einhalt.
Antares Charts: Neben den Clyde Cruising Guides entwickelten sie sich zur Hautnavigationshilfe an Bord. Die detaillierten Karten machten das Auffinden von Felsen und Untiefen und die Ansteuerung von so manchen Buchten und Häfen deutlich entspannter. Ein großartiges Gemeinschaftsprojekt und für das Revier unverzichtbar.
Die Äußeren Hebriden haben sich als außergewöhnliches Segelrevier erwiesen – rau im Wetter, anspruchsvoll wenn man es wagt und gleichzeitig von beeindruckender Schönheit und Gastfreundschaft geprägt. Wir wurden oft nass und genauso schnell zeigte sich auch immer wieder die Sonne. Dieser Törn hat einmal mehr gezeigt, wie besonders gemeinsames Segeln in solchen Revieren ist. Ein großer Dank gilt unserem Skipper, dessen Routenplanung, umsichtiges Führen und Humor maßgeblich zum Gelingen und zur Sicherheit der Reise beigetragen haben. Wir heben das St. Kilda Verbot eigenmächtig auf und wären bei einem solchen Törn sicher wieder an Bord. Ebenso danken wir dem Verein, der solche Törns überhaupt möglich macht und damit wertvolle Segelerlebnisse schafft. Den kommenden Crews sei gesagt: Die Hebriden sind kein schönes Wetter-Revier, aber eines der lohnendsten. Wer sich darauf einlässt, wird mit einem unvergesslichen Abenteuer belohnt.
Route: Dunstaffnage Marina, durch Sound of Mull nach Tobermory (Isle of Mull), Castlebay (Barra), Lochskipport (South Uist), Tabert (Harris), Grabh Eilean (Shiant Isles), Dunvegan (Isles of Skye), Carbost (Isles of Skye), Canna (Small Isles), Ulva, Lunga (Treshnish Isles), Tobermory (Isles of Mull), Oban, Dunstaffnage Marina
Wetter: Tage mit Regen: 14/14, Tage mit Sonne: 14/14. Sturmwarnung: 2, Wind meist aus Südwest bis West, teilweise aus Nord und Ost. Jeden Tag um 0710 und 1910 werden von der Küstenwache Stornoway aktuelle, ausführliche Wetterberichte mit 24h-Ausblich ausgegeben. Da das Wetter ständig wechselt sind diese Pflicht, auch wenn man die Regenvorhersagen nach drei Tagen mitsprechen kann („Rains and showers: moderate, occasionally poor“ – was von kurzen Regenschauern bis der Regen kommt permanent von der Seite so ziemlich alles bedeuten kann). Zudem empfiehlt sich die Premium Version von Windy, um Aktualisierungen schneller zu erhalten.
Fauna (fotografisch dokumentiert): PUFFINS, Robben, Hund (in kompromittierender Lage), Delphine, Schafe, Kühe, Hasen, Tordalken, Dreizehenmöve, Krähenscharbe, Reiher.
Umfang Hebriden-Fotoalbum: 1.900 Fotos von Flora und Fauna, Wasser, Seenotrettung und anderen Schiffen, Portraits und ganz viel Bootsleben.