Zwischen Bora, Party und ziemlich viel Teamgeist

Manche Wochen beginnen mit einer entspannten Anreise. Diese eher nicht. Stattdessen ging es über Nacht mit dem Auto von Karlsruhe nach Punat. Irgendwo zwischen Vorfreude, Müdigkeit und der leisen Frage, warum man sich das eigentlich freiwillig antut. Die Antwort kam dann relativ schnell: Segeln.

Morgens um sieben angekommen, kurz die Augen zugemacht, einmal durchatmen und dann direkt aufs Wasser. Viel Zeit für sanftes Reinkommen blieb nicht. Fünf Boote, motivierte studentische Crews und eine Woche, die ziemlich schnell zeigte, dass sie mehr kann als nur entspanntes Dahingleiten.

Die ersten beiden Tage waren fürs Training reserviert und hatten es direkt in sich. Zu viert auf einer Dehler 38 SQ unterwegs zu sein, klingt erst einmal machbar. In der Praxis ist es aber doch eine Herausforderung, weil hier und da immer wieder Hände fehlen. Jede Bewegung zählt, jede Position ist doppelt wichtig und Pausen sind eher ein theoretisches Konzept.

Es wurden Manöver gefahren, Abläufe abgestimmt und das Boot kennengelernt. Gleichzeitig merkten wir schnell, wo es noch hakt. Kommunikation, Timing und Wege an Deck sind alles Dinge, die man nicht lange erklären kann, sondern einfach machen muss. Trotz der Intensität waren genau diese Tage entscheidend. Aus Einzelpersonen wurde langsam eine Crew, aus Handgriffen wurden Abläufe und aus „Wer macht eigentlich was?“ wurde zunehmend Klarheit.

Ab dem dritten Tag kam dann Verstärkung an Bord. Joshi, frisch aus Genua von der Sailing Week, war direkt mit dem Flixbus angereist und wurde ohne große Umwege ins Geschehen geworfen.

Mit ihm als Steuermann änderte sich direkt einiges. Mehr Struktur, mehr Ruhe, mehr Fokus. Plötzlich griffen Dinge besser ineinander, Entscheidungen wurden klarer und das Boot lief konstanter. Es war einer dieser Momente, in denen man merkt, wie viel Einfluss einzelne Rollen auf das Gesamtbild haben können.

Nach dem Training wurde es ernst. Vier Tage Regatta mit vielen Up-and-Down-Wettfahrten standen auf dem Programm. Die Bedingungen lieferten genau das, was man sich wünscht, und manchmal auch ein bisschen mehr. Viel Wind, viel Druck und mittendrin die Bora, die uns mit Böen bis zu 50 Knoten einen kompletten Pausentag im Hafen bescherte. Segeln war da keine Option mehr, Erfahrung sammeln aber trotzdem. Denn auch solche Tage gehören dazu.

Auf dem Wasser lief es insgesamt richtig gut, auch wenn nicht alles reibungslos blieb. Der Furling-Mechanismus hatte immer wieder seine eigenen Ideen von Zusammenarbeit, und ein Überläufer sorgte dafür, dass wir mitten im Geschehen die Fockschot durchschneiden mussten.

Das sind genau die Momente, in denen aus Theorie Praxis wird. Improvisation, schnelle Entscheidungen und viel Einsatz sorgten dafür, dass wir alle Probleme irgendwie gelöst bekamen. Nicht immer elegant, aber effektiv. Und genau das macht am Ende den Unterschied.

Die Woche steuerte auf ein Finale zu, das besser kaum hätte geschrieben werden können. In der Gesamtwertung wurde es eng, und die Entscheidung fiel tatsächlich erst in der letzten Wettfahrt. Am Ende setzten wir uns gegen ein starkes Team aus Wien mit einer erfahrenen Greta am Steuer durch und konnten den Gesamtsieg einfahren.

Was diese Woche aber genauso besonders machte, waren die Leute. Andere studentische Teams aus Österreich und der Schweiz, viele offene, entspannte und einfach gute Menschen. Die Stimmung war durchgehend stark, auf dem Wasser genauso wie an Land. Zwei organisierte Partys, gemeinsames Frühstück jeden Morgen und viele Gespräche irgendwo zwischen Steg, Cockpit und Buffet machten die Woche auch abseits der Regattabahn besonders.

Auch die Organisation war durchweg top. Alles lief, alles passte und man konnte sich voll aufs Segeln konzentrieren. Probleme wurden schnell behoben und eigentlich war immer eine gute Lösung parat.

Am Abreisetag wurde es dann noch einmal genau so, wie man sich das nach so einer intensiven Woche wünscht. Kein Stress, kein Wettkampf, sondern eine entspannte Ausfahrt. Sonne, ordentlich Wind, ein selbstgemachter Zopf an Bord und einfach mal die Zeit genießen. Ein würdiger Abschluss für eine Woche, die sonst von Tempo und Adrenalin geprägt war.

Die Rückfahrt ging wieder über Nacht nach Karlsruhe. Unterwegs wurden Joshi und Emi noch in Rijeka abgesetzt, denn für sie ging es direkt weiter zum nächsten Segelevent nach Italien.

Fazit

Diese Woche war vieles gleichzeitig: anstrengend, lehrreich, chaotisch, erfolgreich und vor allem ziemlich gut.

Wir haben viel gelernt: über das Boot, über Regatten, über Technik und vor allem über uns als Crew. Es gab Probleme, die gelöst werden mussten, Bedingungen, die uns gefordert haben, und Momente, in denen einfach alles gepasst hat.

Am Ende bleibt genau das, was solche Wochen ausmacht: viel Erfahrung, viele Geschichten und das sichere Gefühl, dass man das definitiv noch einmal machen will. Und genau das ist der Plan. Ende Mai geht es für uns wieder nach Punat. Dann vergrößern wir unsere Crew auf sieben Leute und sind beim nächsten Event von in2theblue, der Alpe Adria Sailing Week, wieder am Start. Denn die gewonnene Teilnahme als Hauptpreis kann man schließlich nicht einfach verfallen lassen.

Datum: 30.03.26 - 04.04.26
Revier: Kroatien
Skipper: Joshua Weller
Boot: Dehler 38SQ
Crewstärke: 5
Studentische Teilnehmer: 4
Start- & Zielhafen: Punat
Typ: Up & Down
Beste ASK-Platzierung: 1
Projektleiter: Joshua Weller
Bericht: Mr. X