Einmal Sardinien bis Genua, bitte: Von Glasfaser, Gegenwind und großer ASK-Kraft

Manche Törns beginnen mit „Leinen los“. Dieser hier begann eher mit: „Wer hat den Schlachtplan, wo ist das Leihauto, und warum liegen hier noch Glasfasern im Boot?“

Der eigentliche Einwassertörn hatte nämlich schon lange vor dem ersten Ablegen begonnen. Nach der Grundberührung im Jahr 2025 war bis kurz vor der Abfahrt nicht vollständig absehbar, ob der geplante Törn überhaupt wie vorgesehen stattfinden konnte. Noch drei bis vier Tage vorher hing vieles in der Luft. Der Reparaturstand, die Abstimmung mit der Werft, die Versicherung und der Zeitplan waren alle irgendwie in Bewegung, nur das Boot noch nicht.

Umso schöner war es, dass sich trotzdem sieben Menschen gefunden haben, die bereit waren, diesen Einwassertörn mit anzupacken. Damit war die Crew nicht nur komplett, sondern das Boot auch direkt voll. Und wie sich zeigen sollte, war genau diese Mischung aus Motivation, Improvisation und vielen helfenden Händen nötig.

Dienstag: Anreise, Ankommen und Angriffsplan

Der Dienstag war vor allem von der Anreise geprägt. Joshua, unser Skipper, Projektleiter und Mann für die großen und kleinen Baustellen, flog nach Olbia und kümmerte sich bereits vor Ort um das Leihauto und diverse organisatorische Dinge.

Der Rest der Crew reiste etwas klassisch-abenteuerlich an. Es ging mit Zug, Fähre und schließlich mit dem Bus von Porto Torres nach Olbia, wo alle am späteren Vormittag eintrafen. Nach kurzer Sammlung der Menschen, Taschen und To-do-Listen wurde erst einmal ein Schlachtplan erstellt. Denn bei diesem Projekt war schnell klar: Einfach mal eben aufs Boot gehen und gemütlich loslegen würde nicht funktionieren.

Die Crew wurde in mehrere Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe kümmerte sich um die Arbeiten an Deck, eine zweite Gruppe nahm sich die Aufgaben unter Deck vor. Dazu kam ein mobiles Fahrteam, das gefühlt gleichzeitig überall war. Es kaufte Essen und Getränke ein, besorgte Ersatzteile, steuerte Baumärkte an, fand eine Wäscherei und organisierte alles, was gerade dringend gebraucht wurde.

Mit diesem Plan ging es zur Werft. Dort wollten wir direkt loslegen, allerdings war die Werft noch nicht ganz auf uns vorbereitet. Die Sekretärin mit dem Plan hatte uns bei der Sicherheitsdame leider nicht angemeldet. So standen wir zunächst vor dem Gelände und übten uns in der alten seemännischen Disziplin des freundlich wartenden Herumstehens. Nach einer guten Viertelstunde und ein paar suchenden Blicken war aber auch diese Hürde genommen, und wir konnten endlich aufs Gelände.

Dann ging es richtig los. Das Boot wurde begutachtet, Aufgaben wurden verteilt, Werkzeug wurde gesucht und die Ärmel wurden hochgekrempelt.

Mittwoch: Schrubben und Staunen über die Werft

Am nächsten Tag nahm die Innengruppe den bereits am Vortag entdeckten Schimmelbefall in Angriff. Die Polster wurden aus dem Boot geholt, die Bezüge wurden abgezogen und gewaschen. Damit war zumindest schon einmal klar: Waschen hilft, und Segeln riecht danach gleich wieder ein bisschen mehr nach Abenteuer und weniger nach Biotop. (Es wurden neue Matratzen bestellt)

Weniger lustig war allerdings, dass der Schimmel für uns völlig überraschend kam. Die Werft hatte direkt am Boot gearbeitet, teilweise in unmittelbarer Nähe zu den betroffenen Bereichen. Dass dort Feuchtigkeit im Boot war und sich offenbar Schimmel gebildet hatte, war ihnen entweder nicht aufgefallen oder wurde zumindest nicht an uns weitergegeben. Entsprechend sauer waren wir, denn gerade nach den umfangreichen Arbeiten am Boot hätten wir erwartet, dass so etwas gesehen und kommuniziert wird. Stattdessen standen wir nun selbst vor der Aufgabe, den Befall in den Griff zu bekommen, bevor an entspanntes Einräumen oder gar Losfahren zu denken war.

Zusätzlich flogen durch die Laminierarbeiten noch Glasfasern im Boot herum. Wer schon einmal Glasfaserreste aus einem Boot entfernt hat, weiß, dass das ungefähr so dankbar ist wie Konfetti aus Teppich sammeln, nur pieksiger. Mit Mühe, Geduld und viel Einsatz wurde aber auch diese Aufgabe bewältigt.

An Deck wurden parallel die Fallen angeschlagen. Auch Baum, Kicker und Spinnakerbaum fanden wieder ihren Platz. Damit leerte sich das Bootsinnere langsam wieder, sodass man sich unter Deck irgendwann nicht mehr wie in einem Ausrüstungslager mit Kojen fühlte.

Trotz dieser Ärgernisse waren wir von der eigentlichen Qualität der Reparaturarbeiten positiv überrascht. Nach der Grundberührung und den notwendigen Arbeiten war die Erwartung hoch, gerade bei dem Betrag, den die Versicherung aufbringen musste. Gute Werften im Süden zu finden, ist bekanntlich nicht immer einfach. Umso erleichterter waren wir, dass die strukturellen Arbeiten am Ende offenbar ordentlich ausgeführt worden waren. Schimmel und Kommunikation bleiben dabei allerdings klar auf der Minusseite der Bilanz.

Donnerstag: Öl, Wasser, Steuerkette und letzte Einkäufe

Am dritten Arbeitstag standen noch einmal viele Kleinigkeiten auf dem Programm. Und wie das bei Booten so ist, bedeutet „Kleinigkeiten“ meistens, dass man den halben Tag beschäftigt ist.

Das Fahrteam besorgte weitere Teile aus dem Baumarkt und kümmerte sich um die restlichen Polsterbezüge. Unter Deck wurden große Wartungsarbeiten erledigt. Dazu gehörten der Ölwechsel, der Impellerwechsel und das Durchspülen der Frischwassertanks. Außen musste außerdem die Steuerkette neu eingefädelt werden. Bei dieser Aufgabe merkt man schnell, wie viel Technik eigentlich zwischen „Rad drehen“ und „Boot fährt dahin“ liegt.

Parallel wurde das Boot gebunkert. Essen, Trinken, Vorräte und Material mussten an Bord, verstaut und möglichst so untergebracht werden, dass man sie später auch wiederfindet. Das ist auf einem Boot zwar ein frommer Wunsch, aber immerhin ein schöner.

Nach Ankunft des letzten Crewmitglieds am Mittwochabend war die Mannschaft vollständig. Damit konnte aus dem Arbeitsprojekt langsam wieder ein Segelprojekt werden. Oder zumindest ein Überführungsprojekt mit Segeloption.

Nachtfahrt nach Elba: Gegenan, 25 Knoten und erste Bewährungsprobe

Die Überführung startete in der Nacht. Und weil ein Einwassertörn offenbar nicht ohne kleine Prüfung auskommt, kam der Wind direkt von vorn und erreichte etwa 25 Knoten. Wenig Orientierung, Dunkelheit, Gegenwind und ordentlich Bewegung im Schiff sorgten dafür, dass bei einigen Crewmitgliedern die Seekrankheit anklopfte.

Die ersten eineinhalb Tage waren entsprechend anstrengend. Es ging gegenan, der Schlaf war knapp und die Crew musste sich erst in den Wachrhythmus und das frisch wieder in Fahrt gebrachte Boot einfinden. Trotzdem kamen wir stetig voran und erreichten schließlich Elba.

Dort legten wir eine Pause von etwa sechs Stunden vor Anker ein. Das war keine Aufgabe, sondern eine sinnvolle Entscheidung. Die Crew konnte Kräfte sammeln, einmal durchatmen, etwas essen, wieder festen Boden zumindest in Sichtweite haben und danach mit neuer Energie weiterfahren.

Von Elba nach Genua: Weiter, weiter, immer weiter

Nach der kurzen Ankerpause vor Elba ging es wieder hinaus. Vor uns lagen noch einmal rund eineinhalb Tage bis Genua. Die zweite Etappe war weniger von Werftarbeit und mehr vom klassischen Überführungsgefühl geprägt: Wachen gehen, Kurse kontrollieren, Wetter beobachten, Essen machen, schlafen, wieder aufstehen und dabei immer hoffen, dass das Motorgeräusch so zuverlässig bleibt wie das Bedürfnis nach Kaffee.

Zwischendurch gab es sogar kurz Spinnakerwind. Das war ein kleiner Lichtblick für alle, die gehofft hatten, dass dieser Törn nicht ausschließlich aus Motorbrummen und Gegenan besteht. Am Ende wurde dennoch die meiste Zeit motort. Das war nicht glamourös, aber effektiv. Und bei einer Überführung zählt manchmal vor allem eines: ankommen.

Ankunft in Genua: Mittags fest und 260 Seemeilen reicher

Nach insgesamt rund 260 Seemeilen erreichten wir mittags Genua. Damit war der Überführungsteil geschafft. Hinter uns lagen die Anreise, die Arbeiten in der Werft, die Schimmelbekämpfung, die Glasfaserjagd, Ölwechsel, Steuerkette, Bunkern, Nachtfahrt, Gegenwind, Seekrankheit, Elba-Pause und viele Stunden Motorfahrt.

Vor allem aber lag hinter uns ein Projekt, das wieder einmal gezeigt hat, was möglich ist, wenn bei der ASK viele verschiedene Stellen zusammenarbeiten. Crew, Skipper, Projektleitung, Werft, Versicherung und alle, die im Hintergrund mitorganisiert haben, haben ihren Teil dazu beigetragen.

Dieser Einwassertörn war kein klassischer Urlaubstörn. Er war eher ein Törn nach dem Motto: Wir bringen das Boot wieder ins Leben. Und genau darin lag sein Wert. Am Ende schwamm das Boot nicht nur wieder, es war auch wieder unterwegs. Dazu kam eine Crew, die gezeigt hat, dass man mit Einsatz, Humor und einem guten Schlachtplan ziemlich weit kommt.

Oder anders gesagt: Wir haben nicht nur eingewassert. Wir haben eingewirkt, eingeräumt, eingekauft, eingefädelt, eingesteckt, eingemotort und sind am Ende erfolgreich eingelaufen.

Der Törnplan konnte somit wie geplant stattfinden.

Fazit

Dieser Törn war ein echtes ASK-Projekt. Er war kurzfristig, herausfordernd, arbeitsreich und am Ende erfolgreich. Er hat gezeigt, wie viel möglich ist, wenn alle anpacken und nicht gleich den Kopf in den Bilgensumpf stecken.

Gerade solche Schraubertörns sind außerdem eine großartige Möglichkeit, das Boot und seine Technik wirklich kennenzulernen. Du bekommst nicht nur mit, welche Leine wohin führt, sondern verstehst auch, was unter Deck, im Motorraum und hinter den Verkleidungen passiert. Damit ist so ein Törn auch eine ziemlich gute Fortbildung, nur eben mit mehr Öl an den Händen und besserer Aussicht. (Das zeigt sich natürlich an den Anmeldungen)

Aus Unsicherheit wurde Einsatz. Aus Werftarbeit wurde Überführung. Aus einem reparierten Boot wurde wieder ein fahrendes Schiff. 

Und aus sieben Leuten wurde eine Crew.

Datum: 17.03.26 - 22.03.26
Skipper: Joshua Weller
Boot: askew
Crewstärke: 7
Starthafen: Olbia, Sardinien
Zielhafen: Genua, Italien
Zurückgelegte Seemeilen: 260
Projektleiter: Joshua Weller
Bericht: Mr X.