Die Idee, einen Segeltörn ab Teneriffa zu machen, kam beim Stammtisch im November auf. Gerne nutzten wir die zeitlich perfekt gelegenen Flüge ab Baden-Airpark für den 4,5-stündigen Anflug auf die spanische Insel. Kurze Wege sorgen dort für schnelles und komfortables Boarding.

Wieder einmal erweist sich der Flughafen aber als Seglerunfreundlich: während Mitsegler in FFM ohne Probleme mit ihrer Rettungsweste (inkl. 60g CO2-Katusche) verreisen konnten und können, wird man im Baden Airpark stets ausgerufen. CO2-Katuschen seien nur als Zubehör für „Lebensrettende Geräte“ erlaubt (ein Radflick-Set wäre das nicht) und müssen von der Airline vorab genehmigt werden.

Diese Genehmigung zu bekommen ist schwer. Falls sich ein Supportmitarbeiter der Airline zurückmeldet, wird dieser u.u. nur auf die AGB verweisen. Mit diesem Ausdruck, freundlichen, aber selbstsicheren Auftreten, Geduld und einer Prise Glück kann man die Kartusche dann doch mitnehmen. Wenn über 80 Prozent des Flugplans von Ryanair durchgeführt wird, sollte man meinen, dass diese AGB bekannt sind und Beachtung finden. Zumal der Nachweis nicht einbehalten wurde.

Vom Flughafen aus fuhren wir mit dem Taxi zum Paella essen in den Heimathafen und gingen per Taxi im Mercadona einkaufen. Da auch die Abreise per Taxi erfolgte wurde die Nummer der Zentrale häufig angewählt.

Unsere Segelyacht „Nomia“ aus 2013 ist in einem erstaunlich guten Zustand und ohne Defekte. Lediglich der leichte Geruch des Wassers zeugte davon, dass auch mal Diesel im Wassertank war. Ein weiterer Grund während des Törns auf Flaschenwasser umzusteigen.

Santa Cruz de Tenerife

Die grüne Hafenstadt im Nordosten Teneriffas war Ziel unseres ersten Schlags. Sie beeindruckt durch ihre Parks und Pflanzenvielfalt inmitten der Stadt sowie ihre spannende Architektur. Diese sieht man bereits bei der Ansteuerung am Auditorio (Sydney Opera House bei wish bestellt).

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Pasito Blanco

Nach 17 Stunden und rund 86 zurückgelegten Seemeilen kamen wir um 04:40 Uhr in Pasito Blanco auf Gran Canaria an. Es handelt sich um eine Gated Community mit kleinen Hafen. Wir wurden von dem Sicherheitsdienst an die Tankstelle gelegt und verließen das Gelände nicht. Mittags legen wir ab, um uns die beeindruckenden Dünen von Maspalomas anzusehen. Da uns vom Vercharterer ein leerer Benzinkanister übergeben wurde und das Anlanden aufgrund hoher Wellen nicht möglich war, blieb es bei einem kurzen Ankerstopp.

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Gerne wären wir weiter nach Las Palmas gesegelt (GC7 => GC1). Da die Liegeplätze aber nicht reserviert werden können und keine direkte Ausweichoptionen vorhanden sind (wäre bereits ein längerer Schlag dorthin) sehen wir schweren Herzens davon ab.

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Unser Skipper hatte sich vorab sehr gut vorbereitet. Seine Arbeitsergebnisse findet ihr im ASK-Wiki. Während des Törns war er stark mit der Routenplanung und dem dafür erforderlichen Auf- (und teilweise auch) Abbau von Reservierungsketten beschäftigt. Für seinen gesamten Einsatz gilt ihm unser besonderer Dank.

Mogan

Mangels Alternativen sollte es perspektivisch wieder Richtung Teneriffa gehen. Daher segeln wir zurück nach Mogan, um uns für die Überfahrt am nächsten Tag zu positionieren. Es handelt sich um einen kompakten und ruhigen Ort. Er liegt gut geschützt zwischen dem Meer und großem, kahlen Fels. Da außerhalb große Hotelanlagen angesiedelt sind, ist der Ortskern sehr touristisch mit vielen Restaurants. Diese Angebot nutzen wir gerne, um uns durch die kanarische Küche zu probieren.

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Las Galletas

Um nicht wieder im Heimathafen zu liegen, wählten wir den Sporthafen des Fischerortes Las Gellatas aus. Am Abend bekamen wir Besuch von Bekannten, die zeitgleich ebenfalls Urlaub auf Teneriffa machten und ließen den Abend gemeinsam ausklingen.

San Sebastián

Am nächsten Tag setzen wir über nach La Gomera. Eine Delphinschule mit mindestens acht Tieren begleitete uns auf einem kurzen Wegstück. Wie in den vergangenen Tagen starteten wir aufgrund der Abdeckung mit wenig Wind, der dann zwischen den Inseln schnell mehr wird.  Zusammen mit La Palma und El Hierro zählt La Gomera zu den grüneren und feuchteren Inseln. Zurückzuführen ist dies unter anderem auf die Nordost-Passatwinde. Sie nehmen über dem Meer Feuchtigkeit auf und führen zu Passatwolken und Niederschlägen an den Luvseiten der Inseln. Nach dem Überstreichen größerer Landmassen werden sie jedoch wieder trocken.

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Ein Teil der Crew macht sich auf den Ort, mit Leuchtturm und Steilfelsen, zu besichtigen. Viele für uns exotische Früchte bauen die Bewohner außerhalb in ihren Gärten an: Sternfrucht, Mangos, Avocados, Bananen. Am Straßenrand wächst der stark giftige Stechapfel.

Wenn man dem Duschgespräch alter Seebären Glauben schenkt, dann ist San Sebastian aufgrund seiner Lage und Fluganbindung, auch über Teneriffa, der perfekte Ausgangshafen für alle Abenteuer im Atlantik.

Unser letzter Tag verlief unspektakulär. Wir setzten wieder über und nutzten unsere letzte Segelmöglichkeit voll aus. Nach der Bootsübergabe gab es Pizza, Pasta und Fisch beim Italiener. In Spanien. Wie so oft reizt einen doch am meisten das, was man gerade nicht hat.

Fazit:

Die Kanaren sind ein spannendes, aber anspruchsvolleres Segelrevier. Aufgrund der ganzjährig milden Temperaturen kann man dort die Segelsaison verlängern. Die Distanzen zwischen den Inseln sind groß, weshalb man für das Revier idealerweise mindestens zwei Wochen einplanen sollte. Die Häfen sind teils nicht reservierbar und oft voll. Geeignete Ausweichmöglichkeiten mit ausreichend Tiefgang gibt es kaum, sodass im Zweifel längere Schläge notwendig werden. Denn Buchten zum geschützten Ankern sind praktisch nicht vorhanden. Auch sind nicht alle Häfen auf Chartercrews eingestellt, was sich etwa beim Zugang zu Duschkarten außerhalb der Kernzeiten bemerkbar macht. Charakteristisch ist zudem die teils ungewohnte Welle, die schneller zu Seekrankheit führen kann. Gezeiten hingegen fallen aufgrund der Schwimmstege kaum ins Gewicht. Die Kanaren wirken durch EU-Roaming und den Euro trotz ihrer Lage erstaunlich nah, wobei das Preisniveau insgesamt etwas günstiger ist als bei uns. Die Hafengebühren lagen im Schnitt bei etwa 50 Euro.

Datum: 21.03.26 - 28.03.26
Revier: Kanaren
Skipper: X. Yu
Boot: Jeanneau Sun Odyssey 469
Crewstärke: 8
Starthafen: San Miguel (Teneriffa)
Zurückgelegte Seemeilen: 262
Bericht: Roman Ritter