Nach dem erfolgreichen Erstversuch im Jahr 2024 ASKEW als Büro zu nutzen, ging es 2025 in die zweite Runde. Aufgrund verschärfter Regeln bezüglich mobilem Arbeiten im Ausland und anderer gleichzeitig stattfindender Segeltörns konnte nur eine Person aus dem vorherigen Jahr wieder teilnehmen.
Bei der Anfahrtsplanung waren wir das letzte Glied einer (kurzen) Stadtmobilkette. Da vor uns der Tauchertörn stattfand und diese mit viel Ausrüstung und Gepäck unterwegs waren, fuhren wir zu viert mit einem Sprinter durch die Nacht nach Le Lavandou. Der Platz zum Schlafen war zwar vorhanden, die Klappergeräusche des Sprinters verhinderten dennoch einen erholsamen Schlaf.
Pünktlich einen Tag vor Abfahrt kam die mobile Solarzelle beim Schifferrat an, sodass langen Arbeitstagen mit rauchenden Notebooks und genügend Kaltgetränken theoretisch nichts mehr im Wege stand. Beim ersten Verbinden an den vorbereiteten Anschluss tat sich nichts! Mit Remote-Unterstützung durch Benedikt wurde eine defekte Sicherung als einzige Möglichkeit identifiziert. Selbstverständlich – so will es Murphys Law – war eine passende Sicherung nicht in dem reichhaltigen Fundus der Ersatzsicherungen der ASKEW. Neben einer Stadterkundung, einem Restaurantbesuch und dem obligatorischen Bestaunen der Superyachten in St. Tropez (mit der ASKEW kann keine mithalten) wurde im Bootsbedarfsshop ein Ersatz für die Sicherung besorgt. Erstaunlicherweise musste für das Ersatzteil (1 Euro) keine St. Tropez – Aufschlag gezahlt werden.
Ohne auf die Batterien Rücksicht nehmen zu müssen, konnte die wissenschaftliche Karriere von Manuel vorangetrieben werden, die Customer-Relations eines Reifenherstellers von Marius Grip gewinnen, der Online-Shop von Ben geupdatet und die Schieneninfrastruktur durch Christian verbessert werden. Dass wir dabei immer in den schönsten Buchten lagen, machte die Arbeitstage erträglich. Das Meer war dringend notwendig, da die Sommersonne Ende Juni bzw. Anfang Juli die Côte d’Azur zwar in einem traumhaften Türkis erstrahlen lässt, aber auch die Lufttemperatur auf deutlich über 30°C erhitzt. Spätestens nach jedem Teams-Call wurde ein kurzer Sprung ins Wasser notwendig.
Die Mobilfunkabdeckung an der französischen Küste ist hervorragend. Mit eingeschalteter Kamera zu telefonieren, scheitert nicht an der Netzabdeckung, sondern eher an der Bereitschaft sich bei der Hitze ein T-Shirt oder Hemd anzuziehen. Wenn die Kolleginnen und Kollegen nicht sowieso über den besonderen Bürostandort Bescheid wissen und dann zumindest virtuell etwas von den Buchten und der ASKEW sehen wollen, ist es mithilfe von virtuellen Hintergründen selbst bei leichtem Wellengang einfach den gewohnten Arbeitsalltag zu simulieren.
Nachdem die Laptops zugeklappt und die Segel gesetzt wurden, fing der eigentliche Reiz des Boat-Office an. Kurze Segelschläge in nahegelegene Buchten oder auf die vorgelagerten Inseln führten täglich zu kleinen Perspektivwechseln. Zwischendrin konnte ASKEW beweisen, dass sie knapp zehn Fuß längere Boote einholen und überholen kann. Die unterlegene Crew hatte deutlich weniger Spaß daran, schaltete den Motor ein und fuhr, ohne uns eines Blickes zu würdigen, mithilfe von Diesel wieder an uns vorbei.
Kulinarisch machte sich die Schwaben-Quote an Bord bemerkbar. 75 Prozent kamen aus der Umgebung von Stuttgart. Da durften Linsen mit Spätzle natürlich auf der Speisekarte nicht fehlen. Auf der wunderschönen Insel Port-Cross lernten wir, dass Kochen an Bord egal bei welcher Yachtgröße stattfindet, nur das Setting ändert sich etwas: Während wir nach dem Essen für einen Sun-Downer die Insel aufsuchten, kamen wir dort mit einer freundlichen Gruppe Männer fortgeschritteneren Alters aus den USA und England ins Gespräch, die für einen Aperitif und eine Vorspeise anlandeten. Nachdem der bordeigene Koch angerufen hatte, wurden sie von einem Bediensteten mit dem Tenderboot zum Abendessen abgeholt. Das dies dort nichts Besonderes ist und sich die Superyachten an der südfranzösischen Küste tummeln ist definitiv berechtigt.
Die Natur der Côte d’Azur ist traumhaft und bietet viel Abwechselung: Kurze Wanderungen und Spaziergänge entlang der Küste und auf den Inseln, Schnorchelerlebnisse zur Erkundung der nahen Unterwasserwelt oder einfach nur Entspannung im türkisblauen Wasser sind absolute Highlights gewesen und bieten die besten Entspannungsmöglichkeiten nach einem anstrengenden Boat-Office Tages.
Da bei unserer An – und Abfahrtsplanung noch kein Nachfolgetörn geplant war, organisierten wir eine Rückreise per Zug zurück. Um den Direktzug aus Marseille zu erreichen, mussten wir frühmorgens von Toulon losfahren, weshalb wir uns für den Stadthafen von Toulon entschieden. Nach einer sehr langen Schlange beim Tanken und dem obligatorischen Saubermachen der ASKEW unter der brennenden Mittelmeersonne wurde der Törn mit einem vorzüglichen Abendessen an der Hafenpromenade zu einem Abschluss gebracht.
Le Lavandou – Carafure Anchorage – Cap Taillat – St. Tropez – Port-Cros – Îles d’Hyères - Toulon