Skippertraining (SKS+) auf den Kanaren zwischen Vulkanen, Delfinen und Wachsystemen

Zwei Wochen intensives Segeln, anspruchsvolle Manöver, Nachtfahrten und Inselerkundungen: Unser SKS+-Törn auf den Kanaren hatte mal wieder das Ziel, Souveränität und Sicherheit beim Skippern zu vermitteln. Natürlich unter realistischen Bedingungen von der Törnplanung über Wacheinteilungen, Manövertraining, technischen Herausforderungen und Entscheidungsfindung. Mit 10 Segeltagen, drei Landtagen, stets gutem Nordostwind und viel Sonne bot das Revier wieder ideale Voraussetzungen zum Wintersegeln.

Ankunftstag – Teneriffa an Land

Noch bevor wir in See stachen, erkundeten wir Teneriffa mit dem Mietwagen. Eine kleine Wanderung im Anaga Nationalpark bot erste Eindrücke von der landschaftlichen Vielfalt der Insel – grüne Schluchten, Nebel, Ausblicke auf den rauen Atlantik an der Nordküste der Insel.

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Tag 1 & 2 – Einsegeln, Gennaker und erste Etappe nach La Gomera

Bei zunächst wenig Wind segelten wir uns entlang der Südküste Teneriffas ein. Erste Gennaker-Manöver mit mehreren Schiften standen auf dem Programm – begleitet von Pilotwalen und stets unter Beobachtung des erhabenen Teide.

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Schon am zweiten Tag trat ein technisches Problem auf, das uns länger beschäftigen sollte: Die Rolle des Gennakerfalls im Masttopp war so beschädigt, dass sich das Fall verklemmte. Dann ging weder hoch noch runter. Also Bene hoch, Gennaker runter. Danke, Bene!

Es folgte die Überfahrt nach La Gomera mit einer ruhigen Nacht vor Anker in der Playa de Ereses. Schnorchelnd schauten wir den vielen roten Krebsen zu – die erstaunliche Klettermeister auf den rauen Klippen sind. Selbst gebackene Weihnachtsplätzchen von Alex und Simone waren ein Highlight.

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Tag 3 – El Hierro, Bonito & Hafenrealität

Mit gutem achterlichen Wind ging es weiter nach El Hierro. Unterwegs trainierten wir Boje-über-Bord-Manöver und Manus Anglerglück bescherte uns einen schönen Bonito.

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Der ursprüngliche Plan, in La Restinga festzumachen, scheiterte am Abend nach einer negativen Antwort von den Offiziellen auf unsere Anfrage nach einem Liegeplatz. Das ist leider ein wachsendes Problem auf den Kanaren, die sich immer größerer Beliebtheit erfreuen. Folglich sind Marinas häufig voll und es gibt keine Rückmeldung auf Reservierungsanfragen auf allen erdenklichen Kanälen. Flexibilität war gefragt, und so machten wir ein paar Stunden später im Hafen von La Estaca fest.

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Tag 4 – Landtag auf El Hierro

Manu und Birger starteten den Tag mit einer Laufrunde entlang der Inselstraße. Zwangsläufig kamen dabei ein paar Höhenmeter zusammen.

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Ein Landtag mit Mietwagen (schöner 7-Sitzer!) auf der kleinsten und abgelegensten Insel der Kanaren: Bäckerstopp, Wanderung durch Nebel und Sonne, Natural Swimming Pool, anschließend Wine Tasting bei einer sehr charmanten australischen Winzerin. Abends wurde vorgekocht – Skippertraining heißt auch Logistik- und Organisationstraining.

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Tag 5 & 6 – La Palma zwischen Wasserfall und Wolkenmeer

Die Überfahrt nach La Palma erfolgte gegen die vorherrschende Windrichtung. Auch ein Grund dafür, weshalb El Hierro so selten auf dem Törnplan auf den Kanaren steht. Offenbar half uns eine günstige Strömung, die zwar in keinem unserer Modelle zu finden war, jedoch die einzige Erklärung für die passablen Wendewinkel trotz rund 2 m Welle war. Wieder sorgte frischer Fisch für kulinarische Highlights. Danke, Manu!

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Am Landtag besuchten wir den Wasserfall Los Tilos (feuchte Luft, perfekte Kulisse) und den Roque de los Muchachos – oben strahlend blauer Himmel, unter uns ein Wolkenmeer, Nachmittagssonne auf Vulkanstein.

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Tag 7 – Ehrgeiz, Garachico und große Pläne

Zur Halbzeit kehrten wir nach Teneriffa zurück. Der kleine Hafen von Garachico bot sich als Zwischenstopp an – mit Untiefe in der Einfahrt und nördlichem Schwell bei niedriger Tide. Unser Timing war nicht ideal, die Einfahrt aber trotzdem unkompliziert. Manu hatte ganz besonders Angerglück. Mit einem stattlichen Mahi Mahi war auch das Abendessen gesichert.

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Abends diskutierten wir kritisch unser großes Ziel, alle Kanareninseln zu besegeln. Zusätzliche Motivation lieferte unser Skipper mit Erzählungen von der legendären Pizza Vulcano auf Lanzarote. Nachdem alle Pros und Cons abgewogen waren stand der Plan: Am nächsten Tag wollten wir gen Osten starten und die knapp 200 sm nach Lanzarote segeln. Wie immer liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren und jeder packte mit an: Vorkochen, ein neuer Block im Masttop (der alte Gennakerblock war endgültig hinüber) und provisorische Reparaturen der Genua, die bis zum Ende des Törns halten sollten.

Tag 8 & 9 – Nachtfahrt nach Lanzarote

Der Vormittag gehörte Garachico – Kaffeebarbesuch, Markt auf der Plaza de la Libertad, anschließend An- und Ablegemanöver im leeren Hafen. Um 16 Uhr starteten wir.

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Typisch Kanaren: Düseneffekte zwischen den Inseln, Flauten in Luv und Lee der hohen Landmassen (der Teide ragt immerhin rund 3700m in den Himmel). Wir segelten in einem Wachsystem mit 3 Wachen je 2 bzw. 3 Personen, was nachts längere Ruhezeiten ermöglicht. Abends erreichten wir die Marina Rubicon, bekamen jedoch keinen Platz im Hafen und ankerten mit vielen anderen Seglern vor der Einfahrt.

Tag 10 – Isla de Lobos & große Pizza-Enttäuschung

Trotz der 3 Wachen im Wachsystem war die Überfahrt anstrengend. So setzen wir am nächsten Morgen nur mit Genua über zur Isla de Lobos / Furteventura. In der südlichen Bucht fuhren wir ein paar Ankermanöver und belohnten uns mit einem längeren Badestopp und einer Dingi-Tour zum Strand. In der Zwischenzeit bekamen wir per E-Mail eine Zusage für einen Liegeplatz im Hafen von Rubicon und auch eine Reservierung in der Pizzeria, um die wohlverdiente Pizza Vulcano zu essen. Am späten Nachmittag lichteten wir den Anker, fuhren noch ein paar Boje-über-Bord-Manöver, legten zunächst am Check-In-Ponton und dann in der Box an.

Am Abend ereignete sich die größte Enttäuschung des Törns: Die Pizza Vulcano, für die wir inzwischen rund 500 Seemeilen gesegelt waren, war von der Karte gestrichen. Wohl zu viel Aufwand. Zutiefst enttäuscht mussten wir uns mit anderen Spezialitäten der italienischen Küche zufriedengeben.

Tag 11 & 12 – Lanzarote, Gennaker und Las Palmas

Am frühen Morgen begannen wir mit Hafenmanövern und fuhren wenig später aus der Marina. Am Südwest-Kap von Lanzarote konnten wir endlich wieder Gennaker und Kurs auf Las Palmas/Gran Canaria setzen. Leider verfing sich wenig später der Gennaker in der Genua (Sanduhr) und riss am Schothorn der Genua ein. Gennaker runter, Genua hoch, weiter ging's bei perfekten Bedingungen (ca. 20 Knoten raumschots). Nach etwas Aufregung im stark befahrenen Industriehafen machten wir gegen Mitternacht in Las Palmas fest.

Der folgende Tag gehörte der Stadt: Weihnachtslichter Spaziergang durch Las Palmas und Besuch des spektakulären Aquariums Poema del Mar. Kulinarisch wurden wir von Timo und Alex mit selbst frittierten Berlinern verwöhnt.

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Tag 13 – Nachtfahrt, Treibanker und Heimkehr

Am späten Abend trainierten wir noch vollkommen ungestört Anlegemanöver in der Box und segelten im Anschluss unsere dritte Nachtfahrt unter Begleitung von Delfinen zurück nach Teneriffa. Kurz nach Sonnenaufgang erreichten wir Teneriffa und gönnten uns ein wenig Ruhe in der Bucht von Tejita.

Am Nachmittag stand das letzte Manöver auf dem Programm: Wir hatten einen Treibanker an Bord und wollten uns den Spaß nicht nehmen lassen, das Ding nass zu machen. Auf modernen Booten will man mit dem Treibanker meist die Fahrt reduzieren, um das Angleiten auf Welle bzw. ungewolltes Querschlagen (Broaching) zu verhindern.  Wir entwickelten ein ausgeklügeltes System, das Tuch unter der hohen Last ein- und auszubringen. Am frühen Abend ging's zurück in die Heimatmarina.

Fazit

Insgesamt hatten wir großes Glück mit Wind und Wetter. 2 Wochen lang stets guter Segelwind aus Nordost und viel Sonne. Mit über 700 Seemeilen an 10 Segeltagen haben wir eher viel Strecke für einen Ausbildungstörn gemacht. Dennoch kamen mit den drei Landtagen das Sightseeing-Programm auf den Inseln und das Manövertraining nicht zu kurz. Kulinarisch war der Törn wieder ein Highlight, vor allem durch frischen Fisch und täglich frisch gebackenes Brot und Weihnachtsgebäck. Vielen Dank für ebenso intensive wie schöne zwei Segelwochen!

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Datum: 22.11.25 - 06.12.25
Revier: Kanarische Inseln
Skipper: Birger Becker
Crewstärke: 7
Studentische Teilnehmer: 1
Start- & Zielhafen: San Miguel Marina (Teneriffa)
Zurückgelegte Seemeilen: 704
Projektleiter: Birger Becker
Bericht: Birger Becker