Mit dem Losrollen von acht Stadtmobilen Richtung Biograd am Abend des 26.10.2025 fiel der Startschuss für die Flottille 2025. Ob per Stadtmobil, Bus oder Flugzeug angereist – oder bereits vorher in den Gewässern vor Biograd unterwegs gewesen –, im Laufe des Samstags trafen schließlich alle zehn Crews vollständig an ihren Booten ein, verstauten Gepäck und bunkerten Vorräte für eine bevorstehende, wilde Flottillenwoche. Inspiriert von einer der bekanntesten Piratensagen stand die diesjährige Flottille unter dem Motto „Fluch von Kroatien“.
Beim obligatorischen Welcome-Drink hatte das Barteam erneut ganze Arbeit geleistet. Es wurde eigens ein zum Motto passender Rum-Cocktail kreiert: der Pirates Punch. Mit diesem besonderen Getränk in der Hand und einem kleinen Willkommensspiel lernte sich die diesjährige Flottille auch außerhalb der einzelnen Crews gleich ein Stück besser kennen.
Bei bestem Segelwetter ging es am ersten Tag Richtung Otok Murvenjak. Auf der kurzen Strecke wurde auch direkt eine kleine Kaperfahrt gesegelt. Dabei kam es trotz der eher leichteren Winde zu ersten Kollateralschäden an den Gennakern. Allgemein war die Gennaker-Situation eher durchwachsen. Während manche Crews mit vergleichsweise perfekt auf das Boot zugeschnittenen und bisher vielleicht zwei- oder dreimal gesegelten Gennakern unterwegs war, sah die Lage auf anderen Booten leider etwas anders aus. So waren einige Boote mit Leichtwindsegeln bestückt, die kaum größer als die eigenen Badehandtücher waren und alterstechnisch schon auf den ersten ASK-Flottillen unterwegs gewesen sein könnten.
Nichtsdestotrotz ließ sich keine Crew den Segelspaß nehmen. Die in der Zielbucht anstehende Schatzsuche machte aufkommenden Gennaker-Frust auch schnell wieder wett. So schön die Bucht und der zu beobachtender Sonnenuntergang auch war, so schwierig war das Ankern. Neben dem ein oder anderen nur sporadisch gelegten Anker fiel auf einem Boot nach mehrmaligen Ankerversuchen die elektrische Ankerwinsch aus. Nachdem das Päckchen erfolgreich gebaut war galt es auf der nahegelegenen Insel für jede Crew eine Kiste zu finden. In dieser waren jeweils individualisierte Becher, die in den folgenden Tagen noch reichlich Anwendung finden sollten.
Am folgenden Segeltag stand bei hervorragenden Winden eine sportliche Kaperfahrt auf dem Programm. Die Gennaker konnten an diesem Tag getrost im Sack bleiben, und die Zielbucht Uvala Zincena – ein echter Flottillen-Klassiker in der Region um Biograd – war schnell erreicht. Das Ankern und Päckchenbauen verlief diesmal völlig problemlos – zumindest für uns. Ein weiter außen liegender Landsmann hingegen bekam offenbar panische Angst um seinen mehrere Bootslängen entfernt liegenden Anker und funkte sich meckernd davon, ohne dass wir uns davon aus der Ruhe bringen ließen.
Unbeeindruckt bereitete sich die Flottille auf den nächsten Programmpunkt vor: die Running-Drinks. Um nicht nur auf dem eigenen Boot und innerhalb der eigenen Crew zu versacken, gab es einen ausgeklügelten Plan: Jede Crew war im Laufe der Woche zweimal bei anderen Crews zu Gast und hostete selbst zweimal Drinks oder kleine Snacks für jeweils eine andere Crew. Dieses lockere Rotationsprinzip kam bei allen großartig an und steht jetzt schon als fester Bestandteil im Programm der nächsten Flottille.
Bei schwachen Winden wurde am Morgen des dritten Tages kurzerhand entschieden, eine Runde Tentakelwars zu spielen. Zwei Spieler, jeweils auf einem SUP und bewaffnet mit einer Schwimmnudel, treten dabei gegeneinander an – ein Spiel, das inzwischen zu einem echten Entertainment-Klassiker der Flottille geworden ist. Wie ein Fähnchen im Wind, das jedes Jahr unter einer anderen Flagge weht, trägt es zwar stets einen neuen Namen, ist aber garantiert immer ein Highlight.
Da der Wind auch gegen Mittag nicht wirklich anspringen wollte, stand zunächst absolutes Kaffeesegeln bei Flaute auf dem Plan. Die Crews nutzten die Leichtwindsituation, um ihre Gennaker zu setzen und in allen Variationen auszuprobieren. Der Versuch einiger Crews, den Gennaker wie einen Spinnaker (ohne Baum) frei fliegen zu lassen, blieb allerdings nur mäßig erfolgreich. Als der Wind schließlich komplett einschlief und die Kaperfahrt abgebrochen wurde, nutzten einige Boote die Gelegenheit für ein paar Halyard-Swings oder eine Runde Fenderreiten.
Ziel des Tages war die Marina Veli Iz, eine kleine, aber feine Marina, in der wir gemütlich alle beisammen am Steg rund um das – beziehungsweise im – Kranbecken lagen. Den Abschluss des Abends bildete die Flaggenparade: Jede Crew präsentierte ihre individuell gestaltete Flagge, die den jeweiligen Bootsnamen kreativ widerspiegeln sollte. Aus dieser Präsentation entstand eine kleine Vernissage, bei der die zwischen Werftkran und Laterne aufgehängten Flaggen betrachtet und diskutiert wurden. Die Vielfalt der Designs und die Geschichten dahinter machten diese Ausstellung zu einer besonders gelungenen Abwechslung und zu einem echten Highlight des Tages.
Bei wieder etwas stärkerem Wind sollte es am vierten Tag von Veli Iz in die Bucht Bratin gehen. Nach einer sportlichen Kaperfahrt, bei der die ein oder andere Crew die Grenzen des Gennakers entdeckte und sich alle hinter der Windabdeckung schnell für das Bergen entschieden konnte noch etwas Sightseeing betrieben werden. Entlang der Ostküste von Dugi Oto gibt es mehrere alte U-Boot Bunker die mit dem Dinghi erkundet werden können. Einige Crews legten sogar direkt mit ihrem Boot vor dem Eingang des Bunkers an um auf Erkundungstour zu gehen.
Der zunehmende Wind machte eine bedachte Auswahl der Bucht und ein gewissenhaftes Verankern des Päckchens unerlässlich.
Inzwischen war die bereits zu Beginn der Woche vorhersehbare Bora eingetroffen. Hinter der geschützten Abdeckung von Veli Iz sollte es am fünften Tag bis auf Höhe der Kornaten in die Bucht Jagodnja gehen.
Kurz vor dem Ziel nahm der Wind außerhalb des Schutzes deutlich zu und erreichte über 30 Knoten. Die Crews reagierten unterschiedlich: Während einige ganz ohne Großsegel entspannt und sicher in Richtung Zielbucht glitten, pflügten andere im ersten Reff durch die aufgewühlte See.
Die für die Nacht gewählte Bucht Jagodnja bot nicht nur hervorragenden Schutz vor der Bora, sondern war zugleich wunderschön gelegen. Ein kleiner Landausflug führte über leichte Kraxelei auf einen Hügel hinter der Bucht, von dem aus sich ein grandioser Blick über die Ankerbucht, das Päckchen und die gegenüberliegenden Kornaten eröffnete.
Da der starke Wind die Boote ungewöhnlich schnell vorangebracht hatte, blieb noch genügend Zeit für einen weiteren Flottillen-Klassiker: das Dinghi-Rennen. Diesmal jedoch mit einem kleinen Twist: Auf der festgelegten Strecke von vier Päckchenlängen – zweimal quer von einer Seite des Päckchens zur anderen – musste pro Person im Dinghi ein „sprudliges Getränk von mindestens 500 ml“ geleert werden. Vom Päckchen aus ließen sich die verschiedensten Taktiken beobachten: vom Wegatmen vor dem Paddeln über kontinuierliches Trinken während der Fahrt bis zum „Nach-dem-Paddeln-Exen“.
Nach einem denkbar knappen Zieleinlauf konnte der letzte Abend in der Bucht in vollen Zügen genossen werden.
Der letzte Tag und die Rückfahrt nach Biograd sollten noch einmal eine kleine Herausforderung für alle Crews werden. Die Kaperfahrt wurde aufgrund der Bedingungen auf eine kurze Strecke hinter der Abdeckung begrenzt. Schon bald pfiffen Böen über das Wasser, die stellenweise die 40 Knoten überschritten. Mit bis auf Waschlappen-Größe gerefften Segeln ging es hart gegenan. Trotzdem kam die gesamte Flottille sicher und ohne größere Zwischenfälle in Biograd an – nur ein paar kleinere Blessuren an einzelnen Booten blieben als Spuren der Woche zurück.
Nach der Bootsübergabe klang der letzte Abend bei einem gemeinsamen Essen aus. Der Flottillenpokal wurde an die diesjährige Siegercrew überreicht, die Meilenbücher wurden ausgefüllt, und am Ende standen stolze 130 Seemeilen auf der Logge.
Am Samstagmorgen ging es schließlich für alle zurück Richtung Heimat – zumindest für fast alle. Eines der acht Stadtmobile sprang nicht mehr an. Zunächst schien eine leere Batterie der Grund zu sein, doch auch mit Starthilfe ließ sich das Problem nicht lösen. Spätestens als das Stadtmobil in Zadar von einem Abschleppwagen abgeladen wurde, war klar: Ein Plan B musste her. Dank schneller Umverteilung von Mensch und Material auf andere Fahrzeuge und der unkomplizierten Bereitstellung eines kostenlosen Mietwagens kamen letztlich aber alle Crews wieder wohlbehalten in Karlsruhe an.
Zum Schluss bleibt nur eines zu sagen: Danke, Caro, und danke an dein Team für diese großartige Organisation. Wir freuen uns jetzt schon auf die Flottille 2026!