Da das erste ASK-Seminar zu diesem Thema bereits fünf Jahre zurücklag, war das Interesse an einem neuen Seminar zu Astronavigation erfreulich groß.
Damit das Themengebiet nicht zu theorielastig sein würde, wurden von Anfang an viele Praxiseinheiten eingeplant, was sich am einfachsten in Form von zwei Wochenendveranstaltungen realisieren ließ.
Die Räumlichkeiten für das Seminar wurden vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung am KIT (IMKTRO) zur Verfügung gestellt, was den Vorteil hatte, dass wir vom 13. OG des Physikhochhauses nur zwei Stockwerke zu laufen hatten, um vom Dach aus einen freien Blick in alle Himmelsrichtungen zu erhalten.

Nach einer kurzen Einführung zum Messprinzip der Astronavigation gab es auch gleich schon den ersten praktischen Teil zur "Handhabung des Sextanten" inklusive Bestimmung des Sonnendurchmessers und des Indexfehlers.
Da uns die Firma Cassens & Plath freundlicherweise fünf Sextanten für das Seminar kostenfrei zur Verfügung gestellt hatte, standen für den praktischen Teil des Seminars insgesamt sieben Sextanten in verschiedenen Ausführungen (Voll-, Halb- und Freisichtspiegel) und unterschiedlicher Bauart zur Verfügung. Mit dieser üppigen Ausstattung konnten sich immer zwei Seminarteilnehmer einen Sextanten teilen, gegenseitig unterstützen und auch die Handhabung der verschiedenen Sextanten miteinander vergleichen. Da von Karlsruhe aus kein Meeres-Horizont zu sehen ist, wurden die Himmelsbeobachtungen mithilfe eines (bzw. mehrerer) künstlichen Horizonts durchgeführt.

Da der Umgang und die Handhabung des Sextanten jetzt geübt und bekannt waren, war es an der Zeit, tiefer in die Materie einzutauchen. Im zweiten Theorie-Teil wurden Messfehler (Refraktion und Augenhöhe) besprochen, der Unterschied zwischen geozentrischem und tropozentrischem Horizont (Parallaxefehler) diskutiert und wie man diese Fehler mithilfe von Beschickungs-Tabellen korrigiert.
Selbstverständlich wurde das Gelernte gleich darauf mit eigenen Messreihen praktisch geübt und somit der Standort des Physikhochhauses mehrfach „überprüft“.

Im weiteren Verlauf des Seminars konnten so die Fertigkeiten im Umgang mit dem Sextanten weiter verfeinert und das gelernte Wissen auf verschiedene Himmelskörper (Sonne, Mond, Planeten und Sterne) erweitert werden.
Wie sich gegen Ende des Seminars herausstellte, ist es im Prinzip sogar ohne Nautisches Jahrbuch möglich, die Position der Sonne mithilfe einer einfachen Tabellenkalkulation sehr genau zu berechnen, was eine Ortsbestimmung mit einer Genauigkeit von ca. 0,3 sm erlaubt.
Abschließend wurde noch der Einfluss der verschiedenen Kippfehler des Sextanten angesprochen und wie man ohne Kenntnis der genauen Uhrzeit eine Ortsbestimmung z.B. mithilfe des sog. Monddistanzverfahren durchführen kann.

Datum: 01.03.25 - 09.03.25
Revier: Physikhochhaus KIT
Crewstärke: 14
Projektleiter: Peter Nagel
Bericht: Peter Nagel