Ein Projekt mit studentischem Charakter

Wenn sechs von sieben Crewmitgliedern Studierende sind, weißt du eigentlich schon vorher: Das Projekt wird entweder sehr effizient, sehr chaotisch oder beides gleichzeitig. In unserem Fall war es vor allem eines: ziemlich erfolgreich, ziemlich lehrreich und verdammt spaßig.
Da auf der First 35 nicht genug Schlafplätze für alle vorhanden waren, durften wir netterweise zusätzlich das Boot von Jan Flöter als schwimmende Unterkunft mitbenutzen. Dafür an dieser Stelle schon einmal ein riesiges Dankeschön an Jan. Nicht nur, dass damit alle irgendwo schlafen konnten, es hatte auch noch einen kleinen sportlichen Nebeneffekt: In einer Einheitsklasse schadet es materialtechnisch natürlich nicht, wenn man ein bisschen Gewicht vom Regattaboot nimmt. Man könnte also sagen: Unsere Unterkunft war gleichzeitig Teil des Performance-Konzepts. Den Liegeplatz haben wir vom Veranstalter kostenlos bekommen.
Für einen Teil der Crew begann das Projekt sogar schon ein paar Tage früher. Am Donnerstag ging es gemeinsam mit Jans Geschäftsauto Richtung Kroatien. Auch dafür ein dickes Dankeschön an Jan, dass wir das Auto kostenlos nutzen konnten. Studentische Projektkasse und kostenloses Auto – das ist ungefähr so schön wie ein sauberer Steuerbordstart an der Linie.

Anreise mit Sonnenuntergang, Buchten und Delfinen

Nachmittags kamen wir in Pula an, kauften noch ein paar Dinge ein und starteten direkt Richtung Cres. Die erste Nacht verbrachten wir vor Anker bei einer vorgelagerten Insel. Dort wurden wir direkt mit einem Sonnenuntergang auf dem Meer belohnt, der ziemlich gut daran erinnerte, warum man für solche Projekte auch mal ein paar Stunden im Auto sitzt.
Am zweiten Tag ging es weiter südlich von Mali Lošinj in Richtung Rab. Kurz vor Rab warfen wir erneut den Anker, bevor wir am letzten Tag direkt weiter nach Punat segelten. Die Überfahrt war fast schon unverschämt schön: perfektes Wetter, guter Wind, mehrere Buchtenpausen und zwischendurch immer wieder Delfine. Es war also alles dabei, was man braucht, um sich kurz einzureden, dass Segeln eigentlich immer so entspannt ist.
In Punat angekommen, wurden wir von den anderen empfangen. Es gab eine große Reunion, das Revier wurde angemessen markiert und mit Julians Dinghy ging es noch ein bisschen zum Buchtenhopping. Viel Baden, viel Quatsch, viel Spaß – kurz gesagt: ein ziemlich perfekter Einstieg ins Event.

Training statt Croatia Cup

Am nächsten Tag entschieden wir uns bewusst dagegen, den Croatia Cup mitzusegeln. Stattdessen wollten wir trainieren, denn in dieser Konstellation war die Crew noch nie gemeinsam unterwegs gewesen. Außerdem hatten einige noch keine oder nur wenig Spinnaker-Erfahrung. Also lieber einen Tag sauber trainieren, als direkt im Rennen herauszufinden, auf welcher Seite der Spinnakerbaum eigentlich lieber nicht landen sollte.
Wir entschieden uns dafür, ein ähnliches System wie auf der askew zu fahren: Spinnaker mit Achterholern, Schoten und Barberholern. Aufgrund der Anschlagmöglichkeiten und des kleinen Beschlags am Mast entschieden wir uns allerdings dagegen, den Spinnakerbaum zwischen Vorstag und Mast durchzupendeln. Stattdessen wurde klassisch ausgeklinkt, wie man es eher von kleineren Booten kennt.
Nach ein paar Manövern merkte man schnell: Die Lernkurve war steil. Sehr steil. Von „Wer zieht jetzt was?“ bis „Das sah ja fast geplant aus“ war es erstaunlich wenig Zeit. 
Der Abend wurde anschließend mit ein paar entspannten, kühlen Getränken beendet. Natürlich nur zur Regeneration. Man muss ja am nächsten Tag wieder leistungsfähig sein.

Abende, Stimmung und studentische Eventkultur

Was bei so einem Projekt natürlich nicht fehlen darf: die Abende. Und die waren, um es vorsichtig zu formulieren, durchgehend stabil. Eigentlich hatten wir jeden Abend perfekte Stimmung, viel Musik, viel Gelächter und mindestens einmal pro Abend den Moment, in dem man dachte: „Okay, morgen wird sportlich.“
Los ging es mit dem legendären Aperol-Abend. Ein riesiges Dankeschön geht hier an Pia und Emilie, die vorher noch in Konstanz den Großeinkauf im Kaufland übernommen hatten. Ohne diesen Einsatz wären wir vermutlich deutlich schlechter versorgt gewesen – und unser Aperol hätte sich wahrscheinlich sehr einsam gefühlt.
An einem der Abende stand ein Gala-Abend auf dem offiziellen Programm. Der war allerdings nicht im Preis enthalten. Und da wir als Studierende natürlich wissen, wie man Prioritäten setzt, entschieden wir uns für die Low-Budget-Variante: an Bord bleiben, gute Laune mitbringen und das Beste daraus machen. Das Ergebnis: Kalte Ente und ein legendärer Abend. (Vielen Dank an Michi unser Trainer für das legendäre Rezept)
Was soll man sagen? Am Ende hatte jeder einen Pfeiler, es wurde getanzt, was das Zeug hält, und obwohl gar nicht so viele Leute da waren, war die Stimmung perfekt. Manchmal braucht es eben keinen großen Saal, kein Menü und keine Gala-Robe. Manchmal reichen ein Boot, ein paar gute Leute, kalte Getränke und der feste Glaube daran, dass man gerade die beste Entscheidung des Abends getroffen hat.
Nach dem Croatia-Cup-Tag wurde es dann noch einmal musikalisch richtig stark. Zwei richtig gute DJs legten auf und wir hatten einen riesigen Spaß. Besonders wichtig für die operative Abendgestaltung war dabei unsere Bar-Strategie: immer schön Eis schnorren, um den eigenen Aperol auf Betriebstemperatur zu halten. Man muss schließlich auch an die Kühlkette denken.
Am nächsten Abend gab es eine Live-Band, bei der wir erneut sehr ordentlich auf der Tanzfläche performten. Spätestens da war klar: Die ASK kann nicht nur starten, wenden und trimmen, sondern auch tanzen.
Am letzten Abend folgte dann noch einmal ein echter Hüttenabriss mit einer wahnsinnig guten Band. Ganz so zahlreich waren wir allerdings nicht mehr am Start, weil die Tage davor dann doch Spuren hinterlassen hatten. Man könnte sagen: Die Crew war konditionell noch bereit fürs Segeln, aber die Tanzbeine hatten langsam einen Wartungsintervall erreicht.

Erster Regattatag: Leichtwind, Abbrüche und ein starker Einstieg

Der erste Regattatag begann eher leichtwindig. Es gab Bahnverkürzungen und Abbrüche wegen zu wenig Wind und ordentlichen Winddrehern. Also genau diese Bedingungen, bei denen man gleichzeitig segelt, wartet, schwitzt, rechnet und sich fragt, ob der Wind eigentlich persönliche Probleme mit einem hat.
Trotzdem konnten wir uns gut ins Feld einfinden und auf einen dritten Platz vorfahren. Für die erste gemeinsame Regatta in einer One-Design-Klasse war das definitiv kein schlechter Auftakt.
Insgesamt waren etwa 45 Boote am Start. Unsere First 35 wurden innerhalb der Einheitsklasse mit rund zehn First 35 gewertet. Gleichzeitig starteten aber auch die anderen Klassen gemeinsam, darunter First 36 und Dela 38. Entsprechend eng war es auf der Bahn. Man hatte selten das Gefühl, allein unterwegs zu sein. Eher so: Du atmest ein, und schon liegt jemand in Lee.
Nach dem ersten Start wurden wir aber immer besser. Mit dem Messer zwischen den Zähnen kamen wir zunehmend sauber und aggressiv in die Starts. Ein großes Dankeschön geht hier an Pia im Vorschiff, die alles super angesagt hat. Dadurch konnten wir selbst an engen Linien gute Steuerbordstarts hinlegen und uns sauber in die Lücken reinfahren.

Zweiter Tag: Konstanz gewinnt

Am zweiten Tag standen zwei weitere Läufe auf dem Programm. Wir segelten konstant stark und landeten beide Male auf dem zweiten Platz. Danach waren wir selbst etwas überrascht, als wir feststellten: In der Zwischenwertung lagen wir plötzlich ganz vorne beziehungsweise mitten im Kampf um die Spitze.
Das lag vor allem daran, dass viele Gegner sehr wechselhafte Ergebnisse segelten, während wir konstant auf einem hohen Niveau unterwegs waren. Nicht jeder Lauf war perfekt, aber wir blieben dran, machten wenige grobe Fehler und konnten uns immer wieder nach vorne arbeiten.
Auf dem Downwind hatten wir anfangs noch nicht ganz die richtigen Winkel gefunden. Bei wenig Wind sind wir zunächst etwas zu tief gefahren. Irgendwann hatten wir dann aber den besseren VMG-Winkel raus und konnten deutlich effizienter segeln. Klassischer Fall von: Erst denkt man, man fährt direkt zum Ziel, dann merkt man, dass schnell manchmal besser ist als kurz.

Coastal Race: Regen, Taktik und die Sache mit dem ursprünglichen Plan

Nach dem Schwachwindtag folgte das Coastal Race. Gestartet wurde wieder in Punat. Von dort ging es aus der Bucht heraus in Richtung Rab zu einer Luvmarke und anschließend zurück nach Punat.
Das Wetter hatte sich für diesen Tag offenbar gedacht: „Segeln ist Wassersport, ich helfe mal mit.“ Es schüttete dauerhaft wie aus Kübeln. Ölzeug wurde von Ausrüstung zu Lebensentscheidung.
Unsere Taktik war leider nicht unser stärkster Moment des Projekts. Eigentlich war der Plan, mit Julian und Max mitzuhalten, die das Revier sehr gut kennen, bis zur Untiefe beziehungsweise vorgelagerten Insel durchzuziehen und erst dort Richtung Rab zu wenden. Die Idee dahinter war, im wellengeschützten Bereich länger Geschwindigkeit halten zu können, ohne das Boot in der Welle festzustampfen.
Dann entschieden wir uns aber doch, früher umzulegen. Der Grund: Wir waren als einziges Boot aus dem First-35-Feld so weit herausgesegelt und bekamen kurz Angst, gerade dabei zu sein, taktisch komplett kreativ zu versagen. Im Nachhinein stellte sich heraus: Der ursprüngliche Plan wäre wahrscheinlich genau der richtige gewesen.
Später kam dann, wie im Wetterbericht vorhergesagt, der Rechtsdreher aus Norden. Wir lagen zwar nicht optimal direkt unter Land, kamen aber trotzdem wieder relativ gut weg und konnten am Startschiff noch ein paar Plätze gutmachen. Insgesamt war das Coastal Race aber klar unser schwächster Lauf. Mit dem Streicher fiel der Schaden zum Glück etwas geringer aus, auch wenn wir in der Gesamtwertung dadurch etwas weiter nach hinten rutschten.

Letzter Racetag: Trimmprobleme, Comebacks und Innenraum-Magie

Am letzten Racetag hatten wir zu Beginn etwas mit dem Trimm zu kämpfen. Das lag unter anderem daran, dass das Coastal Race zuvor wegen zu wenig Wind verkürzt worden war und unsere Segel, insbesondere die Fock, noch relativ bauchig eingestellt waren. Am Start konnten wir deshalb nicht die Höhe laufen wie unsere Gegner und verloren in der Nachstartphase einige Meter.
Aber auch das bekamen wir im Laufe des Tages besser in den Griff. Und dann gab es diese Rennen, die man danach besonders gerne erzählt: Einmal waren wir als Letzte an der Luvtonne und ließen am Ende trotzdem noch fünf Boote hinter uns. Wie? Durch einen sauberen Sneak im Innenraum – und dadurch, dass sich die anderen Boote gegenseitig ein bisschen selbst aus dem Rennen genommen haben. Manchmal muss man nur ruhig bleiben und warten, bis das Chaos der anderen die eigene Taktik ersetzt.

Hohes Niveau und Lernen von den Besten

Das sportliche Niveau bei der Veranstaltung war insgesamt richtig hoch. Im Feld der First 36 waren mit Susanne Beuke und Niko Resch sogar zwei Olympia-Segler dabei. Das war natürlich ziemlich besonders, weil man nicht nur gegen starke Crews segelte, sondern auch immer wieder die Möglichkeit hatte, Fragen zu stellen und direkt von enorm viel Erfahrung zu profitieren.
Gerade beim Thema Trimm war das extrem wertvoll. Es wurde viel erklärt, ausprobiert und diskutiert: Focktrimm, Inhauler, Höhe am Wind, Druck im Segel, Downwind-Winkel und die Frage, warum ein Boot manchmal plötzlich läuft – und manchmal eben aussieht, als hätte es gerade beschlossen, kurz Pause zu machen.
Ein riesiges Dankeschön geht auch an Julian, der extra noch einmal auf unser Boot gekommen ist und die First 35 mit eingetrimmt hat. Das war mega lieb und hat uns enorm geholfen. Insgesamt war es einfach großartig zu sehen, was für eine starke, offene und hilfsbereite Stimmung teamsübergreifend bei diesem Event herrschte. Klar, auf dem Wasser wurde hart gegeneinander gesegelt. Aber an Land und zwischen den Rennen wurde Wissen geteilt, geholfen und gemeinsam gelacht. Genau so sollte studentischer Segelsport sein.

Ergebnis: Platz 3  und trotzdem ganz vorne dabei

Am Ende landeten wir in der First-35-Wertung auf einem starken 3. Platz. Auf dem Papier also Bronze – sportlich fühlte es sich aber deutlich enger an. Besonders spannend: Ohne Streicher wären wir punktgleich mit dem ersten Platz gewesen und hätten sogar besser dagestanden als das Team, das am Ende auf Platz 2 lag. Das zeigt ziemlich gut, wie konstant wir über die Serie gesegelt sind.
Während andere Teams einzelne sehr starke Läufe hatten, aber auch Ausreißer nach hinten, konnten wir unser Niveau über die Wettfahrten hinweg ziemlich stabil halten. Gerade für eine Crew, die vorher noch nie in dieser Konstellation zusammen gesegelt war, war das ein richtig starkes Zeichen.
Am Ende hat uns vor allem der Streicher ein bisschen wehgetan – aber so ist Regatta eben: Manchmal gewinnt nicht nur, wer gut segelt, sondern auch, wer im richtigen Moment den richtigen schlechten Lauf streichen kann.

Siegerehrung: Hip-Hip, völlige Überforderung und Jans Freestyle-Rettung

Bei der Siegerehrung haben wir natürlich erst einmal alles falsch gemacht, was man so falsch machen kann. Was soll man sagen: Die Österreicher haben offenbar einen gewissen Nationalstolz und feste Rituale, auf die wir Deutschen nicht vorbereitet waren.
Wir waren direkt als eine der ersten Crews auf dem Podium, weil mit der First-35-Klasse begonnen wurde. Das heißt: Wir wurden aufgerufen, standen oben, freuten uns und dann kam das Ritual. Der Wettfahrtleiter stimmte die Menge mit „Hip-Hip“ ein, das Publikum antwortete mit „Hurra“, und eigentlich hätten wir als Platzierte danach noch ein kräftiges „Ra!“ zur Selbstbejubelung nachlegen sollen.
Das Problem: Wir waren schon mit dem ersten „Hip-Hip“ komplett überfordert. Alle schauten uns erwartungsvoll an, lächelten, warteten und wir hatten ungefähr so viel Ahnung wie bei einem Winddreher bei keinem Wind.
Zum Glück hatten wir Jan Flöter dabei. Unser Freestyler Jan erkannte die Lage, riss das Publikum einfach an sich und startete kurzerhand ein weiteres „Hip-Hip-Hurra“, bei dem dann alle mitmachten. Problem gelöst, Würde gerettet, Podium überlebt.
Im Laufe der Siegerehrung verstanden wir dann auch das System: Wettfahrtleiter ruft „Hip-Hip“, Publikum ruft „Hurra“, und die Crew bejubelt sich selbst mit „Ra“. Aber gut, diese Form des Eigenjubbels ist für uns Deutsche vielleicht kulturell noch ausbaufähig. Wir arbeiten daran. Bis dahin übernimmt Jan.

Datum: 31.05.26 - 04.06.26
Revier: Kroatien
Skipper: Jan Flöte
Boot: First 35
Crewstärke: 7
Studentische Teilnehmer: 6
Starthafen: Pula
Zielhafen: Punat
Typ: Up & Down
Beste ASK-Platzierung: 3
Projektleiter: Joshua Weller
Bericht: Joshua Weller